Mittwoch, 29. September 2010

Treten Maxi, treten!

Um acht Uhr am Flughafen Schönefeld. Ich bin sogar pünktlich. Nicht das ich mich sonst extrem verspäten würde, aber gerade in solchen Situationen neige ich...
dazu die Kette zu unterbrechen ;o). Alle anderen finden sich auch schnell ein, nur einer fehlt: Eric. Mit 45 minütiger Verspätung trifft er endlich ein, Markus ist schon panisch geworden. Markus ist unser Begleiter und Ansprechperson von KOMBI Consult, einer Weiterbildungseinrichtung in Berlin, die das Projekt leitet. Einer von der lockeren Sorte mit wilden Locken und riesig ist der Mann. Wie zu erwarten haben wir alle leichtes bis mittleres Übergewicht im Gepäck, außer einer Person. Madlen, sie liegt mit 19 Kilo noch einen Kilo unter dem Maximalgewicht und das obwohl sie sogar Weichspüler und Zwiebeln eingepackt hat. Ja, kein Scheiß – Zwiebeln ;o). Nun rächt sich der Kauf meines ach so tollen Koffers. Stolz wie Oskar hatte ich das monströse Ding letzte Woche noch vorgeführt, nun bin ich einsamer Spitzenreiter, denn ich habe ein 4 Kilo schweres Problem. Ich verteile einiges auf mein Handgepäck und Madlens Koffer, sodass noch ein Kilo zu viel bleibt. Die junge Frau hinterm Schalter winkt mich mit einem Augenzwinkern durch. Bei der Handgepäckskontrolle wird meine Laptop Tasche 2 Mal gescannt. Ich hätte da ne Schere drin, meint die Sicherheitsangestellte. Das wundert mich doch sehr. Ich suche und suche, bis ich das Geschenk von Johanna und Helen aus New York in meinen Händen halte. Die kleine goldene Schere, mein Kettenanhänger – sie lacht, weiter geht’s. Im miesgrauen Berliner Wetter besteigen wie die Air Berlin Maschine, in der wir gesagt bekommen, dass es in Italien gerade 14°C bei strahlend blauem Himmel wären. Yeah, man!
Das schönste am Fliegen ist der Start. Wenn die Düsen hochfahren und der Druck einen in den Sessel presst. Toll toll toll! Da oben ist wieder verkehrte Welt. Unten die Wolken, oben der Nachthimmel und dazwischen die lupenreine Sonne. Kurz nach dem Start bemerke ich auch, wie anders die Menschen im Flugzeug aussehen. Als Beobachterin für Mode und Stil, fallen mir sofort die prägnanten Unterschiede auf. Irgendwie schicker. Das ist sie wahrscheinlich, die „bella figura“. Immer eine „schöne Figur“ abgeben, so das Credo der Südeuropäer. Keine verkehrte Einstellung, finde ich und schaue dabei beschämt auf meine abgewetzten weißen Turnschuhe. Kurz nach halb 11 landen wir am Flughafen Venezia Marco Polo. Meine Strickjacke kann ich schon mal ausziehen, die Sonne scheint mir auf den übernächtigten Kopf. Im VW Bus werden wir zu unserer Unterkunft in Mestre gebracht, vorbei an kleinen Neubauhäusern, Nadelbäumchen und der Werbung für den nächsten OBI Markt. German Wings fliegt hier nach Berlino. Keine halbe Stunde sind wir unterwegs, da landen wir auf dem Gelände unserer Herberge. Ein Hotel, oder so. So genau, können wir das bis heute nicht sagen.
Was heute passiert? Weiß man nicht. Wie lange wir hier bleiben, bevor wir in die Wohnungen kommen? Weiß man nicht. Gibt es schon Wohnungen? Weiß man nicht. Normaler Weise treibt mich so was in den Wahnsinn, hier lass ich es einfach auf mich wirken. Solln die Mal machen, denk ich mir. Zu zweit kommen wir in die gepflegten Zimmer, dann geht’s auf zum Mittagessen. Wir finden ein süßes Lokal und bestellen sogar auf Italienisch – spannend! Ich probiere mich in Pasta mit Gehacktem in Sahnesoße – molto delizioso! Beim Toilettenbesuch bekomme ich plötzlich Probleme. Da gibt es ein Waschbecken, einen Hahn, aber keine Ventile. Hm, vielleicht per Sensor? Wie Aladins Lampe beschwöre ich den Hahn aber nichts passiert. Ich hole Markus zur Hilfe. Oh man, auf dem Boden gibt es ein Pedal zum Pumpen. Benvenuto a Italia!
Danach machen wir einen Ausflug in das Stadtzentrum von Mestre, wir wollen SIM Karten für unsere Handys kaufen. Wie in einer Pfadfindergruppe laufe ich entlang der Reklametafeln und Schaufenster und freue mich diebisch über jedes Wort, was ich schon kenne. Die Geschäfte sind zum Großteil geschlossen – logisch – siesta! Bis zu drei Stunden sind die Geschäfte dicht, weil die Leute nach Hause gehen und dort essen. Auf dem Piazza setzen wir uns in die warme Nachmittagssonne und entspannen etwas während sich Markus um die Tarifangebote kümmert. TabeaMadlen und EricPhillip und BjörnUnter den Arkaden entlang der Einkaufszeile hängen laminierte A4 Zettel. Todesanzeigen mit Portraitbildern der Verstorbenen – hm, merkwürdig.
Unter uns Mädels entfacht immer wieder die Diskussion um das Gerücht wegen unserer Wohnung. Es soll wohl bereits eine Wohnung in Mestre geben mit 2 Zimmern – für 4 Mädchen. Tabea und ich können’s kaum glauben. Ich weiß gar nicht recht, was ich dazu sagen soll, entrüste mich allerdings mit dem ersten Gedanke, der mir durch den Kopf schoss: Ich bin doch kein polnischer Spargelstecher! Ich - 3 Monate mit jemand anderen in einem Zimmer – unvorstellbar! Mir ist die Sache nicht ganz geheuer. Nachdem die Mission SIM Karte erfolgreich abgeschlossen wurde gings noch ein wenig zum Schaufensterbummel. Die Preise hier „draußen“ also außerhalb Venedigs sind sehr human. Die haben auch einen kleinen Obst und Gemüsemarkt, ähnlich unserem türkischen Markt in Berlin. Das Preisniveau unterscheidet sich in keiner Weise vom Deutschen. Auch beim anschließenden Supermarktbesuch werden wir angenehm überrascht. So langsam tun die Beine weh. Es geht heimwärts zum Abendessen. Pasta, natürlich. Danach wird sich ums Internet gekümmert und dann falle ich auch schon ins Bett. Ein harter erster Tag.

1 Kommentar:

  1. hach - ist das wieder schööön zu lesen
    wunderschön, diese Architektur
    *beneideEuch

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