davon nichts mitbekommen. Bei Frühstück kommt wieder die Frage auf: Was machen wir denn heute? So genau weiß man das noch nicht. Wir gehen unsere Monatskarten holen und vielleicht treffen wir die Leute von CO.GE.S, die uns hier betreuen, mal sehn. Die Order lautet Punkt neun fahren wir von der Herberge aus los - nunja, 9.25 fährt der VW Bus vor.
Wo es genau hingeht wissen wir nicht. Über eine Art Stadtautobahn werden wir in ein ca. 20 Minuten entferntes Gebäude gebracht. Beim Anblick fällt mir die Kinnlade runter und ich brabbel so vor mich hin: Ach du Kacke, das wars! Ab gehts ins Gefängnis! Marcus kommentiert das Ganze nur trocken mit: "Na wir haben euch doch vorgewarnt was hier mit Ausländern passiert"
Mit dem VW Bus gehts bis vor die Kantine unserer Herberge. Danach heißt es, das wir die CO.GE.S Leute treffen, also versammeln wir uns im Innenhof und stellen Stühle im Schatten zurecht. In der Sonne hälts man nicht lange aus (ob ich gerade Mitleid mit euch Erfurter, Berlinern, Darmstädtern, Hamburgern, oder wo auch immer ihr seit habe? Nö ;o)) Die Runde beginnt sehr locker und endet auch so. Antonio beginnt unsere kleine Runden und nach und nach stoßen seine Kollegen dazu. Es wird öfter mal kurz telefoniert und geraucht sowieso. Wir sollen etwas über uns erzählen, damit sie eine ungefähre Vorstellung von unserem Italienisch bekommen. Holprig, holprig die Angelegenheit, aber es geht. Dann sollen wir unsere Erwartungen und Ängste aufschreiben. Italienisch oder Englisch. Ich starte und sage zum Schluss, dass meine einzige Angst die Wohnsituation für uns Mädchen sei. Doch Antonio kann uns beruhigen. Er hätte eine Wohnung für uns, die 100 qm groß ist und 3 Zimmer hat. Uns fällt allen ein Stein vom Herzen. Daraus entspinnt sich allerdings auch eine interessante Diskussion. In Italien ist es nämlich gang und gäbe als Student mit einem oder mehreren Menschen in einem Zimmer zu wohnen. Die Junge Frau neben mir, hat bis zu ihrem 30. Lebensjahr so gelebt, weil die Mieten einfach unbezahlbar wären. Sie meinte, es wäre ein nordisches Ding, dass wir alle ein eigenes Zimmer beanspruchen, sowas gäbe es hier nicht. Wow, mittlerweile schockiert mich nicht mehr diese Tatsache, sondern das wir so einen Terz machen. Wahrscheilich ist das wie, wenn jemandem der Atem stehen bleibt, wenn ich ihm erzähle, dass ich in einer WG wohne. Komisch!!!
Am Ende der Kennenlernrunde bekommen wir auch die Termine für unsere Vorstellungsgespräche gesagt: Morgen gehts los - hui! Björn,Phillip und ich fahren mit Floriana nacheinander unsere potentiellen Arbeitgeber ab.
Später gibt es dann Abendessen. Nudeln, natürlich. Mit Tabea geh ich noch zum Rauchen in den Innenhof. Kurz darauf gesellen sich der Koch und 2 ältere Herren dazu. Zufällig kommen wir ins Gespräch, halb englisch, halb italienisch. Nachdem die 2 älteren Herren gegangen sind, fragen wir den Koch wo er her kommt. Aus Afghanistan. Er sei ein Flüchtling. Knapp 2 Stunden sitzen wir und können kaum glauben was er uns alles erzählt. Von den Amerikanern als Lockmittel gegen die eigenen Landsleute missbraucht, musste er über Nacht sein Elternhaus verlassen aus Angst vor der Taliban. Mit 15 Jahren! Dann flüchtete er über Pakistan nach Iran, Türkei, Griechenland um dann nach Deutschland zu Freunden zu kommen. Doch in Italien hielt man ihn fest. In der EU könne er sich ohne Papiere nicht ohne weiteres bewegen. Innerhalb eines Jahres lernte er so gut Italienisch, dass er nun als Übersetzer arbeitet und nebenbei noch hier als Koch. Noch 3 Jahre muss er bleiben, dann bekommt er die Italienische Staatsbürgerschaft und kann auswandern. Wahrscheinlich geht es nach New York zu seiner Schwester. Die EU mag er nicht, er will zurück nach Hause, aber diesen Wunsch, hat er längst aufgegeben. Zu gefährlich.
Haben wir ein tolles Leben!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen