Mittwoch, 29. September 2010

Mach mit mir was du willst!

Nach nun mehr einem Jahr in Berlin packe ich erneut meine 7 Sachen um neue Luft zu schnuppern. Nicht etwa weil mir Berlin zu langweilig...
geworden wäre. Dort gibt es fürwahr noch mehr als genug zu entdecken, sondern weil das Angebot zu verlockend war.
Es handelt sich dabei um ein Programm, welches von verschiedensten Stellen finanziert und organisiert wird. Wer da für was zuständig ist, blieb bisher schleierhaft. Aber es sei soviel gesagt, dass der TÜV, das Jobcenter und der europäische Sozialfond ihre Finger mit im Spiel haben. Die Zugangsvorrausetzung sind ziemlich simpel. Man muss unter 28 Jahre alt sein, eine schulische Ausbildung haben und arbeitsuchender Hartz 4 Bezieher sein. Klingt super, was muss man noch machen? Nichts! Keine Bewerbung, keine Telefoninterviews, kein Assessment Center, nada, niente, nichts! Ob sich die Leute nicht darum reißen würden? Nein, trauriger Weise nicht. Das Programm befindet sich bereits im zweiten Jahr, doch die Interessenten sind knapp. Irgendwie will keiner mitmachen, so die TÜV Beauftragte. Warum, kann sich keiner erklären. Dabei stehen 3 Länder zur Auswahl: Italien, Ungarn und Malta. Man bekommt 2 Monate Sprachunterricht und fährt in einer Gruppe ins jeweilige Land. Dort bekommt man Unterkunft, Arbeitsplatz und das Überlebensnotwendigste gestellt. Das Hartz4 läuft wie gehabt weiter, bloß das man in Italien noch mal 100 Euro Auslandstagegeld bekommt. Wer sich angesprochen fühlt, hier die Infos: http://www.forum-berufsbildung.de/EU_Walz_-_Berufsstart_mit_Auslandspraktikum.1437.0.html
Nun denn, begonnen hat der Spaß schon vor 2 Monaten mit einem zweiwöchigen Seminar zur interkulturellen Kompetenz und sechs Wochen Italienisch lernen. In dieser Zeit ist unsere siebenköpfige Truppe zusammen gewachsen, obwohl wir alle aus unterschiedlichsten Richtungen kommen. Da hätten wir 3 Mädels: Madlen, die Mediendesignerin; Jennifer, die Kauffrau für audiovisuelle Medien und Tabea, eine Instrumentenbauerin. Die Herren sind Björn, der Koch; Philip, der Kaufmann für neue Technik (oder so) und Eric unser Kfz-Mechaniker. Alle samt begaben wir uns am Dienstag Morgen, dem 28.09.2010, vom Flughafen Schönefeld aus in das Land der Pasta, Pizza, Mafia, Sonne und Eis, Ferraris, des Fussballfanatismus, des Vatikanstaats und der Herrschaft von Berlusconi. Viel haben wir im Vorfeld mit unseren italienischen Lehrerinnen über Land, Leute und Gepflogenheiten geredet. Auch meinem Tandemsprachpartner Alessandro aus Süditalien habe ich mehr oder minder die nackte Wahrheit entlockt. Manches schien reizvoll, anderes völlig abstrus. Zum Beispiel werden Termine nicht auf Biegen und Brechen durchgesetzt, denn das Endprodukt steht über allem und soll gut sein. Da spielt Zeit eine untergeordnete Rolle. Alles in allem weniger stressig eben. Andererseits ist man als Faschist kein Außenseiter. Nein im Gegenteil, die drittgrößte Partei Italiens, die Lega Nord, hat ausgeprägte neofaschistische Züge und macht daraus kein Hehl. Nunja, wie sich das alles in echt anfühlt, werde ich herausfinden.
Exakt 11 Wochen habe ich nun Zeit von Venezien aus dieses Land zu erkunden und im engen Kontakt mit den hiesigen Italienern meine Welt wieder etwas größer zu machen. Ich freue mich, vor allem darauf diese schöne Sprache bald etwas flüssiger sprechen zu können. Während der täglichen sechs Stunden Unterricht in den letzten Wochen, hat es irgendwann Knack gemacht. Und plötzlich war ich verliebt. Besonders herzig finde ich die –ici’s und -issimo’s and den Wortenden. Ein wenig Körpersprache habe ich mir auch schon angeeignet. Ein wenig zu fuchteln kann den Inhalt des Gesagten enorm steigern ;o)
Wie dem auch sei. Ich gehe mit einem Motto in dieses Land, was ich mir ganz groß auf meine Fahne geschrieben habe:
ITALIEN - MACH MIT MIR WAS DU WILLST!
Andiamo!

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