David begrüßt mich mit den Worten: "What, you slept in the park?" (Was, du hast im Park geschlafen?) Mir bleibt kurz der Atem...
stehen und so ziemlich alle die um uns herum stehen, starren mich an. Kacke, woher weiß er dass ich im im High Line Park geschlafen habe? Er kann es gar nicht wissen. Völlig perplex stammel ich irgendwas vor mich hin und wieder fragt er mich fassungslos: "You really slept in the park?" Verdammt, was mag er jetzt von mir denken? Ich sage völlig eingeschüchtert: "Aber es waren doch nur 2 Stunden und der High Line Park ist ja was ganz anderes". Alles ist schon am grinsen, während ich mich versuche rauszureden. Hä, wie jetzt, er hat nur einen Spaß gemacht? Ich verstehe nur noch Bahnhof. Das gibt's doch nicht, woher weiß er das mit dem Park? Erst viel später wird mir klar, wie das zusammenhängt. Am Samstag hatte ich im Central Park auf der Wiese gelegen und gedöst, während ich auf radfahrenden Freunde gewartet habe. Da hatte ich das gleiche Outfit wie zur Wrap Party an, also muss mich einer erkannt und es David gesteckt haben. Na toll, und ich geb auch noch zu im High Line Park genächtigt zu haben. Applaus für Maxi Bohn bitte.
Die Halle in den Steiner Studios hat sich schon extrem geleert. Scott und die Näherinnen sind schon so gut wie draußen und von den geliehenen Kostümen ist nicht mehr viel übrig. Heißt, wir könnten heute fertig werden. Meine Aufgabe ist es dutzende von Mützen, Schals, Handschuhe und Tüchern für Männer, Frauen und Kinder zu kategorisieren und in Plastikbeutel zu packen. Sortieren klappt ganz gut aber als mich Gerald bittet die Beutel zu beschriften siehts dürftig aus. Ich sitze allein im dem Truck für die Kostüme der Hauptdarsteller und versuche mein Bestes, aber ich komme nicht weit. Gerald, kannst du mir bitte jemanden schicken, der mir hilft? Klar, Charlotte, eine der PA's, kommt. Bei Filmen gibt es zahlreiche PA's. Sie sind sowas wie deluxe Praktikanten mit netter Bezahlung und packen überall mit an. Da Charlotte mit Modebegriffen nicht so viel am Hut hat, schauen wir nun gemeinsam in die Röhre. Aber davon aufhalten lassen wir uns nicht. Per I-Phone google ich die deutschen Begriffe nach Bildern und übersetzte sie dann per LEO, dem online Übersetzer, ins Englische. Pudel- oder Schiebermütze, wir finden sie alle. Kurz bevor das letzte Zeug seinen Platz hinter Folien gefunden hat und der komplette Truck durchsortiert wurde, höre ich die anderen über Pennsylvania reden. Jaja, der Truck wird morgen mit den restlichen Kostümen nach Pennsylvania gefahren und dort von Einigen von uns entladen. Du kommst doch mit, oder? Hm, Mist. Ich darf doch New York nicht verlassen, wegen der Versicherung und so. David meint, hier würde nicht viel los sein morgen. Nur er und 3-4 Andere seien da um Papierkram zu erledigen. Soll sie dafür herkommen? Donna schaut ihn zynisch über den Rand ihrer Brille an und meint in ihrer typisch trockenen Art: "Willst du mich veralbern? Mädchen, geh morgen raus und schau dir die Stadt an. Hab Spaß!". Fantastsich! Aber warte Mal! Das bedeutet auch, dass heute mein letzter Tag ist. Am Donnerstag muss ich bei Rosi vorbei und Freitag ist das Abschlussseminar für die 6 Wochenleute. Tja, dann heißt es wohl jetzt Good Bye sagen. Vielleicht gar nicht mal so schlecht. Ich hasse Abschiede. Das hat vielerlei Gründe und gerade das Zusammenspiel dieser macht es für mich jedes Mal zu einer Tortour. Ohne Tränen komme ich nie dabei weg. Dieses Mal gehts weil es so unverhofft kommt. Das Wasser steht mir zwar schon auf dem Unterlied aber ich kann mich am Riemen reißen. Sogar noch als Brittany mich und zwei andere Kolleginnen wie jeden späten Nachmittag zum L-Train an die Bedford Avenue fährt. Kaum sind alle weg, bricht es wie gewohnt über mir herein. Doch ich lass mich nicht aufhalten. Währenddessen ich mit Johanna telefoniere um die Abendplanung zu klären geh ich in ein Deli und kaufe Büchsenbier. Den indischen Verkäufer juckt mein dramatischer Auftritt herzlich wenig. Johanna ist gerade auf dem Weg in den Central Park mit ein paar anderen Teilnehmern um sich ein kostenloses, klassisches Konzert anzuschauen. Klassik ist zwar gar nicht mein Ding, aber ich brauch jetzt Leute um mich herum. Wie ich das mit dem Bier mache? Keine Ahnung, wird sich was finden. Ab und an sieht man noch ein paar Leute aus braunen Papiertüten trinken, aber erwischen lassen sollte man sich nicht. Mit verschwommenen Blick versuche ich auf meiner U-Bahn Karte im Miniformat die kürzeste Route ausfindig zu machen. Heute nehm ich mal die gelbe Linie, dann komm ich näher am Park raus. Gesagt, getan. Zur 86th Straße will ich, komisch nur als die Bahn ab der 72th bis zur 125th durchrauscht. Verdammt, das ist ein Express Train. Sonst lieb ich die Dinger, sie überspringen im Schnitt 3 bis 5 Haltestellen. Wenn alles gut läuft und ich an der 96th gleich vom 1 - Train in die 2 oder 3, die Expresstrains, umsteigen kann, hab ich innerhalb von 20 Minuten über 100 Straßenblocks hinter mir. Klingt nicht viel? Mit der 1, dem Local Train, würde mich der Spaß locker das doppelte an Zeit kosten. Nun gut, da steh ich nun mitten in Harlem. Zum Glück ists noch hell, so brauch ich keine Angst haben als einzige Weiße auf der Straße. Da das I-House nur 2 Avenues entfernt liegt lauf ich heim, Central Park lohnt sich nun nicht mehr. Pawel und Boris wollen noch zu einer Brücke auf der East Side. In einem renomierten Touristenführer wird die Robert Kennedy Bridge als eine der Brücken mit der schönsten Aussicht über NYC gehandelt. Boris ist direkt von Arbeit aus hingefahren, Pawel gerade am Losgehen - Warte! Per Bus gehts Crosstown auf der 125th entlang in Richtung Ostseite. Die Brücke sehen wir schon beim Aussteigen, aber den Boris nicht. Wie jetzt, ist schon auf dem Heimweg? Pawel telefoniert mit ihm und ist genauso stutzig wie ich. Die Brücke sei hässlich und sehen tut man auch nichts, alles doof, er will heim! Hm nungut, wir versuchen's trotzdem. In der Dämmerung laufen wir den Fußgängersteg entlang und tatsächlich: sie ist wirklich nicht sehr ansehnlich, der Verkehrslärm unerträglich und sehen tut man auch nur ein Stück Uferpromenade. Pawel kommt in Verlegenheit und versucht die Situation zu retten: "Guck mal, wenn das Haus da nicht stehen würde, könnte man viel weiter nach Manhattan reinschauen". Schon gut Herzchen, ich genieß den Moment und halte ihn in Bildern fest. Der Tag war schwer genug, sowas kratzt mich nun nicht mehr.
Zurück im I-House sitzen schon viele auf dem C-Floor an den Tischen vor der Kantine. Es wird erzählt, gelacht und die Speicherplätze der Laptops mit Bildern befüllt. Ständig sind wir am Austauschen. Helen läuft dabei zu Hochform auf, in regelmäßigen Abständen geht sie sammeln und wird so zur Photothek. Dort komme ich endlich dazu mein bereits warm gewordenes Budweiser zu trinken. Auf den letzten Feierabend, Freunde.
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