Mittwoch
Mein Tag - ganz für mich allein - toll! Mal den ganzen e-mail Kram erledigt und dann...
gehts auch schon los. So nen richtigen Plan hab ich nicht. Das Einzige auf meiner Liste ist das Michael Jackson T-Shirt für meine Mutter. Sie hat es sich so sehr gewünscht. Diesen kitschigen Wunsch kann ich ihr nicht abschlagen, schon gar nicht als schlechteste Tochter der Welt ;o). Ach ja, und der blaue Matrosenhut aus dem Patricia Field Laden. Dort drinnen war ich mal ganz am Anfang, hatte mich aber noch nicht getraut Geld auszugeben. Es mögen nur Shirt und Hut sein, aber die Besorgung kann in NYC 'nen ganzen Tag füllen. In den letzten Wochen bin ich nie so wirklich nach Route gelaufen, hatte auch gar keine Zeit eine zu machen. Meine Liste der Dinge, die ich sehen will ist auch eher kurz und nur in meinem Kopf. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht nur sehen, sondern auch erleben möchte. Das kann ich nun mal am Besten wenn ich frei Schnauze los laufe - hat bisher immer geklappt.
Das Michael Shirt kauf ich am Besten in Chinatown. Da gibts die meisten und die zu günstigen Preisen. Ich war zu faul umzusteigen, sodass ich nun den Broadway entlang schlendere. Auf diesem Abschnitt sind besonders viele Klamotten- und Schuhläden, die mit schon fast lächerlichen Preisen aufwarten. Nagut, das Kleid für 17$ liegt noch im Bereich des Machbaren und außerdem würde es verdammt gut zu dem Matrosenhut passen. Weiter vorn auf der Straße stehen 3 Paparazzi vor dem Topshop, die Kameras mit XL Objektiven im Anschlag. Auf wen wartet ihr, frage ich. Wissen wir nicht, sagen die Drei. Na dann geh ich mal schauen, kann aber drinnen niemanden Prominentes entdecken. Tja, ich kam mit meiner Canon EOS 350 D da rein, ihr nicht. Einer von ihnen streckt mir den Mittelfinger gen Linse ;o).

Es ist unglaublich warm und zum Glück nicht so feucht, denn die letzten Tage hat es nicht geregnet - Strandfeeling in NYC. Auf meinem Weg nach und durch Chinatwon gibts wieder viel zu sehen.

Ich lass es mir gut gehen. Maniküre? Klar, warum nicht, der alte Lack blättert sowieso schon ab. Wenn man mal überlegt, dass einen der Spaß gerade Mal 7 Euro kostet, Trinkgeld schon inklusive, dann kann das ziemlich schnell zur Selbstverständlichkeit werden. Zumal man sich jedes Mal zwischen über 100 Lackfarben entscheiden kann, das hat man zu Hause nicht. Diese Asiatin schaut mir wenigstens auf die Finger während sie feilt.
Essen tu ich für 4,50$ in einem China Schnellimbiss. Auf die Asiette bekommt man einen Löffel Reis und kann dann aus über 70 Beilagen 4 weitere aussuchen. Wenn man mit deutschem Auge wählt bleibt allerdings nur wenig über. Einiges von dem Zeug sieht aus als wäre es aus Pflanzen gemacht, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe - oder war das mal ein Tier? Ich nehme nur das, was ich ins deutsche übersetzen kann - besser ist das!

Wow, gleich im nächsten Geschäft sehe ich Bubble Tee im Angebot. Das ist dieses witzige Getränk mit den Gummibärchen drin, was ich zur Schnitzeljagd mal testen durfte. Stolz schlendere ich nun mit güldenen Nägeln und XL Strohhalm zwischen den Lippen durch die Straßen. I'm so New York right now ,o)
Irgendwann finde ich dann auch ein passables Michael Jackson Shirt für meine Mutter. Obendrauf gibt es noch ein Poster aus besseren Zeiten. Übrigens, Mitbringsel hab ich keine, für Niemanden! Mit dieser Wahrheit katapultiere ich mich zwar in diesem Moment von sämtlichen Partyeinladungslisten der nächsten Wochen, aber mir fehlt einfach das Geld und der Platz im Koffer. Sorry Freunde. Nachdem ich die Mission: "Michael for Mutti" erfüllt hatte, gehts weiter in Richtung Lower East Side vorbei an Little Italy.

Im Patricia Field Laden (das ist übrigens die bekannte Stylistin von Sex and the City) kaufe ich mir dann für ganze 8$ mein neues Styling It Piece: den blauen Matrosenhut. Dieses Ding wird mir in den nächsten Tagen massig Komplimente einbringen ;o). Danach gehts heim. Ron hat mich für heute auf eine Party im angesagten Meatpacking District eingeladen. Von den Pall Mallern kann zwar keiner mit, weil alle arbeiten müssen, aber drauf geschissen. Ich bin in NYC, also shake what your mama gave ya! Nach meinem obligatorischen Discoschläfchen gehts noch auf ein Bier zu den anderen auf den C-Floor. Die kommen gerade aus dem Apollo Theater, einem der berühmtesten Entertainment Häuser New Yorks. Hier wurden schon die Jackson 5 entdeckt. Wir verquatschen uns, sodass ich viel zu spät losgehe. Hoffentlich kommt an der 96th gleich der Express Train - kommt er natürlich nicht. In kurzen Hosen, High Heels und Handtasche stell ich mich an die Kreuzung über der Station. Fünf Sekunden hab ich den Daumen draußen, da macht's vor mir eine Vollbremsung und in der nächsten Sekunde sitze ich im Taxi. Ab geht die Post, Englisch kann er kaum, aber er weiß wenigstens wo es hingeht. Das Glück hat man nicht immer. Vor dem Kiss & Fly Club treffe ich wieder auf Ron's Kollegen, der mich letzte Woche ins Caine brachte. Ron käme gleich, ok. Witzig, wie die Mädchen alle über die Pflastersteine stöckeln. Kurz nach 12 kommt Ron mit den anderen Girls im Schlepptau. Wir unterhalten uns nett während die Männer ihre Jobs machen: SMS schreiben, anrufen, mit den Türstehern reden. Vor meinem inneren Auge seh ich mich da drinnen schon die Hüften kreisen. Hat schon was von Harem... aber so ist das Geschäft und wir sind die Nutznießer. Drinnen sieht aus wie in den Läden auf der 27th. Durchgestylte Ausstattung, fette Sound- und Lichtanlage, geschätze 16°C Raumtemperatur und ein Tisch für uns. Wodka und Säfte sind bald da sowie eine Menge anderer Gäste - obwohl Mittwoch ist! Gegen 1.00 Uhr ist der Laden voll, aber so richtig Stimmung will bei uns nicht aufkommen. Die niedliche Asiatin und ich schlürfen unsere Drinks und sie sagt ich solle schneller trinken. Wir seien schon so viele am Tisch, da wird der Wodka bestimmt bald leer.

Mir fehlen die anderen, mit denen war sowas bisher immer lustig und nach der nun schon fünften Schicki Micki Party ist auch langsam mal die Luft raus. Aus Langerweile streune ich durch den Club und Lande im Raucherbereich. Da stehen 2 süße Gay Boys aus LA, die es hier super finden. Warum? Is doch lahm, der Laden wird um 5 Uhr dicht gemacht! Sie schmunzeln nur und meinen: in LA würden die meisten Clubs gegen Mitternacht schließen. What the fuck! Ich kann's nicht glauben, mir wird immer klarer warum Berlin schon seit Jahren so ein mega Partytouristenboom erlebt. Mit meinen Partygirls tanzen wir dann noch bis 2.30 Uhr auf der Sitzfläche hinter unserem Tisch. Wenigstens ist der DJ gut.


Ron ist so nett und nimmt mich im Auto mit. Er wohnt in der Bronx, liegt also auf dem Weg. 27 ist er und promoten ist sein Job, jeden Abend. Die Clubs buchen ihn, damit er so viele hübsche Lady's wie möglich reinbringt. Dann muss er im Prinzip nur noch für ausreichend Getränke und der damit verbundenen gute Laune sorgen. Die Drinks stellt ihm der Club. Verrückter Job, er nickt. Aber nervt es dich nicht, jeden Abend dasselbe Programm und die gleiche Musik? Doch, die Musik mag er nicht, er steht eher auf Vocal House. Wir haben ein ziemlich cooles Gespräch bevor er mich direkt vor meiner Haustür absetzt. Danke dir Ron für die tolle Zeit in NYC.
Auf dem Weg zum Fahrstuhl reiß ich mir die High Heels von den Hacken und ab gehts ins Bett.
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