Dienstag, 21. Juli 2009

That's the art form!

Donnerstag
Heute bin ich mit Rosi in ihrem Atelier verabredet. Nochmal Tschüß sagen und mein Krempel holen, wie zum Beispiel mein...
englisches Textillexikon was ich mir vorher hab schenken lassen. Ich komm gerade noch so pünktlich, war schon hart sich heute aus dem Bett zu schälen.
Ein typischer U-Bahn Ausgang:Im Atelier herrscht gespenstische Ruhe, nur Jolanda sitzt noch da und näht. Die anderen mussten entlassen werden, miese Auftragslage. Auf dem großen Tisch liegt eine perlenbestickte Weste aus dem Topshop, nur eine kleine Änderung für Drew Barrymore. Ich danke Rosi tausend Mal, dass sie mich zu Donna geschickt hat und erzähle ihr was ich cooles erlebt habe. Sie notiert sich, was ich in den Steiner Studios zu tun hatte für ihre Unterlagen und dann quatschen wir noch ein bisschen über die vergangenen 6 Wochen. Ich solle den Leuten von Pall Mall erzählen, dass es ganz toll bei ihr gewesen sei, sie möchte nächstes Jahr wieder einen Praktikanten haben. Hoffentlich sehe die Auftragslage dann wieder besser aus. So ganz koscher war es nämlich nicht mich einfach an jemand anderes abzugeben. Wie schon bei der Mary Meyer Sache spielen da versicherungstechnische Sachen eine große Rolle. Allerdings braucht man sich bei einer riesigen Firma wie Walt Disney über solche Dinge keinen Kopf zu machen. Ob jemand wüsste, dass ich heute und gestern frei hätte - nö. Wir lachen.
Da ich nun schon einmal im Garment Disctrict unterwegs bin, kann ich auch endlich mal ins FIT - dem Fashion Institute of Technology gehen. Das ist eine sehr renomierte Uni an der schon viele berühmte Modedesigner abgeschlossen haben, außerdem hat es eigene Austellungsräume. Jamie hatte mir empfohlen das unbedingt anzuschauen. Da es erst 11.00 Uhr ist, muss ich mir noch eine Stunde die Zeit vertreiben, geh ich halt zu Macy's, ein paar Straßenblogs weiter. Die anderen hatten mir erzählt, dass es gigantisch sein würde, aber diese Dimension überfordert mich. Einen ganzen Straßenzug, also einen Block, nimmt das mehrstöckige Kaufhaus in Beschlag. Die haben ihre eigene Möbelabteilung - unglaublich. Drinnen schleiche ich durchs Gewusel und verlaufe mich mehrere Male. In der Kosmetikabteilung bleib ich beim MAC Stand hängen. Man kann sich schminken lassen von Visagisten, deren Gesichter aussehen wie die von Models auf Hochglanzmagazinen. Leider muss man danach mindestens ein Produkt kaufen und die sind nicht gerade billig - verdammt!
Danach spaziere ich noch ins Sephora gegenüber. Das ist eine Kosmetikkette, von der einige andere Teilnehmerinnen schon im Übermaß geschwärmt haben. Ich kann verstehen warum, hier gibts so ziemlich die coolsten Sachen und alles in hundertfacher Ausführung. Für jeden Geschmack etwas und das tollste - man kann alles ausprobieren. Manche Frauen da drinnen testen sich so ein ganzes Make Up zusammen und keinen stört's. Am Besten finde ich ein Make Up Set, mit Puder, Rouge, Lidschatten, Kajalstift, Spiegel und einer ausführlichen Anleitung wie man Smoky Eyes schminkt, in einer kleinen Schachtel. Das wär was für meine Michi, aber 35$ sind kein Pappenstiel, auch das geile Parfum ist mit 40$ einfach nicht mit meinen finanziellen Möglichkeiten zu vereinen. Man muss bedenken, dass ich aus Deutschland kein Pfennig Geld mithabe. Ich lebe seit 6 Wochen komplett von den wöchentlichen 170$ der Pall Mall Foundation. Zum Glück hatt man mir bis dato immer das Mittagessen bezahlt, dadurch konnte ich mir die Späße der letzten Wochen ohne schlechtes Gewissen leisten.
Im FIT schau ich mir eine Austellung an, in der es um Mode und Politik geht und wie sich beides seit dem 18. Jahrhundert in Amerika beeinflusst hätte. Es geht um Rocklängen, Silhouetten, der Verwendung von Stars & Stripes und Camouflage Mustern. Ein Zitat von Moschino: "Fashion is a visual impression... the social psychological aspect is more interesting." (Mode ist nur der visuelle Eindruck... der soziale und psychologische Aspekt ist viel interessanter). Danach entdecke ich durch Zufall die Sonderausstellung in den Kellerräumen, der riesigen Uni. Wow, es haut mich fast aus den Socken. Auf den ca. 600 qm stehen der Wand entlang Puppen, die Kleider der Designerin Isabel Toledo tragen. In der Mitte noch weitere auf einem Podest. Da die Austellungen im FIT kostenlos sind darf ich nicht fotografieren. Aufgeregt grabe ich in meinem Beutel nach Zettel und Stift, die ich immer dabei habe. Zu vielen Modellen gibt es nämlich Schnittshemata, weil sie mit bloßem Auge einfach nicht zu verstehen sind - so eben habe ich meine neue Meisterin gefunden. Eine unglaubliche Fantasie und Ästhetik in Schnitt- und Linienführung, wie ein kleines Kind im Spielzeugladen bewundere ich Teil um Teil. Besonders eines ihrer Zitate spricht mir aus der Seele: "I'm a seamstress. I really love the technique of sewing more than anything else. The seamstress is the one who views fashion from the inside. That's the art form, really - the technique of how it's done" (Ich bin eine Schneiderin. Ich liebe die Technik wie etwas genäht wird mehr als alles andere. Die Schneiderin ist diejenige welche die Mode von innen betrachtet. Das ist eine richtige Kunstform - die Technik wie etwas gemacht ist.)
Kaum bin ich fertig mit staunen, bekomme ich einen Anruf von Charlotte aus den Steiner Studios. Die Crew will mir gern etwas schenken, wo sei ich denn gerade. Wir verabreden uns auf der Hälfte des Weges zu treffen, also in Greenwich Village. Mit der Bahn 15 Minuten vom FIT entfernt mach ich mich auf den Weg. Während ich an der Straßenkreuzung auf den silbernen Jeep warte verdrück ich noch einen Hot Dog. Hey, hier wird nicht gelacht! Das ist erst mein zweiter in NYC! Auf der anderen Straßenseite seh ich einen Zaun der mit bunten Wandfliesen behangen ist, warum eigentlich? Es sind die "Tiles for America" (Kacheln für America), die man im Gedenken für die Opfer vom 11.September dort aufhängen konnte.








Während dessen fällt mir ein, dass wir ja heute Abschiedsessen haben. Mist, 20.00 Uhr treffen sich alle mit den CDS Leuten in Brooklyn zum Essen um ein letztes Mal gemeinsam mit den 6 Weekers an einem Tisch zu sitzen. Charlotte, wo bleibst du? Da kommt sie schon mit Brittany und sie halten auf der anderen Straßenseite. Sie bedanken sich im Namen des ganzen Teams für die Mitarbeit und meine rührende Mail mit den Partyfotos:

Hey all of you,

First of all I wanna say thank you again for this wonderful and inspiring time. This was the most exciting experience in my life and gave me the hope to start over again somewhere on this planet, hopefully Berlin. I really appreciated to work for and with you and felt very sad to leave. I had sooo much fun and the other participants in my exchange program were all really jealous. My first time in the United States and all those crazy things happen within 6 weeks - awesome!

I uploaded the pictures of the Wrap Party for you, so just follow the link and download them:
https://rcpt.yousendit.com/713746744/e299e42b5203d0bcaa9599a3095e36ff

Here is also the link to my blog I wrote during the 6 weeks. It's like a dairy. Unfortunately you won't understand a word because it's in german, anyway there are nice pictures, too.
http://maxiinnyc.blogspot.com/

Hughs and kisses to all of you, wish this time never ended,
Maxi

Dann schenken sie mir ein schwarzes Basecap, auf welches der Titel des Films gestickt ist. Charlotte und Brittany finden das Ding zwar doof, aber wenigstens eine kleine Erinnerung. Danach gehts heim, um wenigstens noch ein bisschen zu schlafen vor dem Essen und der anschließenden Party.
Die typischen Laderampen der kleinen Geschäfte im Erdgeschoss. Vorallem auf den schmalen Bürgersteigen in Chinatown muss man aufpassen nicht reinzufallen!

Viele von uns haben sich 19.15 Uhr am Eingang zum I-House verabredet um nach Brooklyn zu kommen. Natürlich schaffen wirs nicht pünktlich loszugehen, eh jeder angehetzt kommt und es losgehen kann... Ganze 20 Minuten verspäten wir uns. In dem afrikanischem Restaurant (oder wars doch äthiopisch?) hat man eine lange Tafel aus kleinen Tischen für uns aufgestellt. Die Deko ist landestypisch, ein Papp-Obama ziert die Theke, ein Kronleuchter aus leeren Coca Cola Flaschen hängt über unseren Köpfen und nach draußen schaut man auf die Brooklyner Neighbourhood. Draußen stehen die Jungs an ihren getunten Autos oder sitzen auf Campingstühlen neben ihren Hauseingängen. Sie erzählen, rauchen, spielen Karten und schauen im Sonnenuntergang ihren Kindern beim Spielen zu.
Ich bekomme Rippchen mit Bohnenbrei und einem Messer, welches einem Säbel gleicht - yeah! Und schmecken tut das... ä Traum! Dadurch das wir zu spät kamen, die Küche ziemlich lang zum Zubereiten gebraucht hat und wir uns in Gesprächen zwischen Cocktailgläsern verlieren, wirds spät - zu spät für Party. Wir kugeln uns zurück in Richtung U-Bahn, vorbei an den Einfamilienhäusern im britisch, niederländischem Stilmix. Durch die Fenster sieht man die hohen Decken mit tollem Stuck, Salontüren und allerlei Flachbildschirmfernseher.
Wenn man kurz vor der 96th aufpasst kann man tolle Grafitties im U-Bahntunnel sehen. Im I-House wird wie immer der Rechner als erstes angeschmissen. Nach einem Gespärch mit einem guten deutschen Freund, setz ich mich noch zum Rest auf die Dachterasse und schaue zu den Sternen in den Himmel. Obwohl New York City nur 6 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist man ihnen hier doch am nächsten.
Gute Nacht ihr da oben und ihr hier unten.

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