Samstag, 4. Juli 2009

Sie kennt sie alle

Und gleich gehts weiter mit den indischen Schuhen. Dylan, die Tochter von Donna hilft mir dabei. Zu zweit sitzen wir vor dem...
Rolltor in der Kostümhalle und schrubben und bürsten was das Zeug hällt. Misery loves company, so ähnlich kann man "geteiltes Leid ist halbes Leid" übersetzen, aber das deutsche findet sie schöner, es sei optimistischer. Wir unterhalten uns über ihre Zeit in Deutschland. Sie hat einige Zeit in Berlin gewohnt und in München war sie auch schon. Am meißten mochte sie, dass es auf den Straßen so ruhig und unhektisch zugeht. Man bräuchte bei uns keine Angst haben über den Haufen gerannt zu werden, aber das Leben ohne Klimaanlage fand sie gar nicht witzig.Plötzlich fallen mir Schuhe in die Hand, in denen der Name Liam Neeson steht. Der hat Oskar Schindler in Schindlers Liste gespielt - Halllooooo! Ich frage Dylan, ob sie schon viele Stars getroffen hätte und ja, hat sie. Dadurch das die ganze Familie beim Film arbeitet sei sie praktisch am Set aufgewachsen. Ich frage, wen sie am meißten mochte: Harrison Ford. Als sie noch klein war, hatt er immer so witzige Spiele mit ihr gespielt und Kate Winslet, weil sie super nett und süß sei. Ben Affleck findet sie doof. Der war zwar nett, aber irgendwie eingebildet. Die meißte Zeit ihres Lebens hat sie in New York verbracht, oft seien sie umgezogen, auch mal nach Italien, aber New York gefällt ihr am besten. Ob sie weiß wie priveligiert sie ist - ooooh ja, dessen ist sie sich durchaus bewusst. Ob sie auch zum Film will - nein, sie will Therapeutin werden für Kinder mit Autismus. Ihr kleiner Bruder hätte diese Krankheit und seitdem er auf eine spezielle Schule geht, die vorallem durch Kunst fördert, ginge es ihm viel besser. Er kann jetzt sogar schon seine Gefühle beschreiben. Das war nicht immer so, vorallem damals am 11. September. New Yorker werden dann plötzlich ganz andächtig wenn es um dieses Thema geht. So ernst erlebt man sie sonst nie. Wie Dylan das Ganze erlebt hätte - Nunja, zu der Zeit war sie in der Schule nur 2 Straßenblocks entfernt gewesen. Nach der Evakuierung sollte sie in eine andere Schule gebracht werden, doch die Mutter einer Freundin nahm sie mit nach Hause. Leider funktionierten zu diesem Zeitpunkt weder Handy noch Festnetz in ganz New York. Donna konnte sie erst nach 7 Stunde der Suche finden und das erste Mal mit ihr reden, wie grauenhaft. Ich kann nur ansatzweise nachvollziehen, wie sich das für Mutter und Tochter anfühlt. Meine Mutter hatt damals 4 Stunden gebraucht um mich zu finden nach dem Massaker am Gutenberg Gymnasium. Allerdings haben unsere Handys funktioniert und sie wusste bereits nach weniger als einer Stunde, dass ich am Leben bin. Dieser verhältnismäßig kurze Zeitraum hat meine Mutter fast um den Verstand gebracht, ich will gar nicht wissen wie es für die Leute in New York gewesen sein muss. Am Ground Zero war ich in der ersten Woche, aber man sieht nicht viel. Das ganze Arial ist umzäunt und teilweise mit Sichtschutz verhangen. Bagger, Kräne und Stahlgerüste ragen aus dem Boden. Hier und da hängt noch eine amerikanische Flagge zwischen den Zaunmaschen und Straßenhändler verkaufen Bildbände über die Tragödie.
Beim Mittagessen necken sich die zwei wie immer, sehr zur Freunde aller Kollegen. Dylan hätte sich während des ersten Semesters kaum gemeldet - da stimmt doch gar nicht, oh doch, nein, na klar, ach hört nicht auf die. Alle lachen. Ich meine beiläufig, das ich meine Mutter schon seit 2 Wochen nicht mehr gesprochen hätte. Oh oh, alle Mütter am Tisch schauen mich verachtend an und schicken mich zum Telefon im Büro - sofort, jetzt rufst du deine Mutter an. Ok cool, ich wähle die 15 stellige Nummer und siehe da, meine Mutter - die diesen Apparat hasst - nimmt ab. Erst checkt sie gar nicht wer dran ist, verwechselt mich, schließlich gibts viele ich bins auf diesem Planeten ;o). Danach ist sie völlig aus dem Häusschen und die erste Frage natürlich: Was macht der Spinnenbiss. Wir reden 10 Minuten und dann gehts weiter zur Arbeit. Die Mittelalterschuhe müssen noch vom Schlamm befreit werden! Gegen 6 Uhr machen wir dann Feierabend und ich fahre nach Hause, morgen will ich mich mit einer Brooklyner Designerin treffen, da muss ich fit sein also heute keine Party, oder doch? Erica schlägt mir vor bei sich Tacos zu essen und ein bisschen Schnaps zu trinken. Ok, bin ich dabei, ist ja nur 4 Straßenblocks entfernt. Ich schicke ne Rundmail an die anderen Teilnehmer heraus aber die Resonanz hällt sich in Grenzen. Ich mache mich allein auf den Weg mit einem Zwischenstopp im Liqueur Shop. Wow, mein erstes Mal. Ganz ruhig ist es da drin und der kleine spanische Mann hinter dem Tresen guckt komisch als ich laut telefonierend in den Laden stolpere. Ich frage ihn nach dem billigstem Vodka. Er drängelt sich in die hinterste Ecke seines Geschäfts und kommt mit einer monströsen 2 Liter Plastikflasche wieder. Ich muss so darüber lachen das ich sie einfach kaufen muss. Dieses Riesenbaby will ich den anderen zeigen und für 16 $ ist es sogar günstig. Damit wär der Schnapsvorrat für die restliche Zeit gedeckt ;o) und einen Ausweis will er auch nicht sehen.
Erica steht schon an ihrem Herd und brät fleißig Fleisch an. Ihr Mitbewohner Joey ist da und wir unterhalten uns über alles mögliche, dieses Mal versteh ich sogar ziemlich gut, bisher war es mit Erica nicht immer einfach. Sie redet schnell und absoluten Slang. Den Vodka mixen wir mit Cranberry Saft und jeder Menge Eiswürfeln. Ariel und 2 Freunde kommen auch noch dazu und gemeinsam setzen wir uns mit Kissen auf die Feuerleiter. Toll, that's so american. Plötzlich klingelt das Handy, Helen und Johanna sind endlich da, wir hatten ausgemacht das sie später nachkommen. Irgend wie ist an mir vorbeigegangen, dass auch noch andere dabei sein werden, sodass plötzlich 10 Mann vor der Tür stehen. Ich krieg mich nicht mehr ein vor lachen und Erica fällt auch aus allen Wolken, findets genauso witzig wie ich. Also pressen wir uns alle in ihr 15 Quadratmeterzimmer und unterhalten uns, essen Tacos und trinken. Lange bleibt der Großteil nicht, sie ziehen weiter zum Tanzen. Steffi und ich bleiben da und Erica erzählt uns das sie neulich ihr erstes großes Modellshooting hatte für die deutsche Vogue - wow. Kurz nach 2 Uhr lieg ich endlich in meinem Bett und freue mich auf morgen.

1 Kommentar:

  1. Hast Du das wieder spannend geschrieben :=))
    So - jez geh ich aber auch mal ins Bett!
    Knutsch di dolle!

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