Montag, 6. Juli 2009

Schwarz, Rot und Weiß

Zu der Brooklyner Designerin schaffe ich es natürlich nicht mehr pünktlich. Habe ganz einfach die Zeit unterschätzt, die man braucht um in diese...
Ecke Brooklyns zu gelangen, aber sie hatt sich das schon denken können. Mary ist selbstständige Modedesignerin ihres Labels Mary Meyer Clothing, welches ziemlich geil ist.
http://www.marymeyerclothing.com/
Ich hatte sie von Deutschland aus gefunden auf meiner Suche nach einem Praktikumsplatz. Es war schon alles ausgemacht und abgesprochen als die Nachricht von CDS International kam, dass Mary einige Bedingungen nicht erfüllt. Zum Beispiel fehlt ihr eine Versicherung für Arbeitnehmer, weil sie keine hat. Hätt ich sie einen Monat vorher gefunden, wär alles noch zu regeln gewesen. Beschweren will ich mich jedoch nicht, schließlich habe ich bisher Unglaubliches erlebt ;o)! Das Atelier ist in ihrer Wohnung, die ihrem Aufbau nach mal eine kleine Lagerhalle gewesen sein muss. Das was sie daraus gemacht hat, lässt mich vor Neid erblassen. Die große Wohnküche ist aus Vintagemöbeln zusammengewürfelt und der riesige Esstisch in der Mitte sieht aus wie aus einem American Diner. Ihr großes Bett ist über und über mit bunten Kissen belegt, alles sieht so Hippie und gemütlich aus. Im Atelier nehmen wir an ihrem großen Arbeitstisch Platz und unterhalten uns ca. eine halbe Stunde darüber wie sie das so macht: Stoffbestellung, Prototypenfertigung, Gradierung, Druckmotive... Sie trägt schwarze Leggings, ein schwarzes Longtop und 3 silberne lange Ketten von einer befreundeten Schmuckdesignerin dazu. Die Haare veratzt und unterschnitten, die Achseln unrasiert, wie cool. Anscheinend ist sie in Zeitnot, denn sie schaut ständig auf die Uhr. Achso, heute kommen 3 Bewerber vorbei, sie sucht eine neue Assistentin für die Schreibtischarbeit. Tja dann muss ich wohl schon gehen. Hatte ich mir irgend wie anders vorgestellt. Nun bleibt mir wenigstens Zeit Williamsburg zu erkunden. Nach einiger Zeit komme ich auf einen Straßenzug auf dem es einen polnischen Laden nach dem anderen gibt. In einer Fleischerei stehen die Leute Schlange für Fleisch und Wurst. Kein Wunder, der Geruch ist verlockend. Mit einem eiskalten Kefir verlasse ich den Laden wieder und kehre an der Ecke in ein kleines Restaurant ein um Piroggen, gefüllt Kartoffeln und Käse, zu essen. Auch hier hört man nur polnisch. Eine Kollegin aus den Steiner Studios hat mir mal erzählt, dass man als Nicht-Pole ziemlich schlechte Karten in diesem Stadtteil hat. In Bars wird man teilweise ewig nicht bedient und Preise werden gern auch mal verdoppelt. Ich habe Glück, eine nette ältere Dame bedient mich und erklärt mir geduldig die Karte. Ein Bild von Johannes Paul ll steht hinter der süß dekorierten Theke. Gestärkt mache ich mich auf die Shoppingmeile. Da ist er ja schon, der Laden der Heilsarmee und endlich ist er mal offen. Bisher stand ich morgens immer davor und habe mir die Nase an der Fensterscheibe platt gedrückt, während ich auf den Abholer vom Filmstudio wartete. Da ich letzte Woche entschieden habe, dass meine neuen Lieblingsfarben Schwarz, Weiß und Rot in Kombi mit kräftigem Marineblau und Gold sind, sollte ich die Gelegenheit nutzen, solange ich noch so günstig an Klamotten komme. Second Hands sind tatsächlich billiger als in Deutschland, Vintage Läden dagegen unbezahlbar. Mit einer kurzen Hose und einer roten Longbluse für 10$ (~7€) verlasse ich den Laden. Williamsburg ist wirklich unheimlich cool, viele Junge Leute mit den geilsten Styles. Klar, alles ziemlich ähnlich und London like, aber in der Masse kommt das schon witzig. Allein an diesem Nachmittag bekomme ich 7 Komplimente für meine selbstgemachte Legobrosche. Leider muss ich heim, heute ist Partynacht und bloggen muss ich auch noch.
Ich schreibe und schreibe, pro Eintrag brauche ich ungefähr 1,5 Stunden. Da ich heute gleich 2 reinsetze gönn ich mir ab und und zu eine Zigarette auf der Dachterasse. Als ich hochkomme steht da einer, spielt Gitarre und singt dazu. Irgendwas zwischen texanischem Country und James Blunt begleitet mich bis zur Hälfte meiner Zigarette während über New Jersey die warme Sonne in den pinken Horizont taucht. Das sei bisher bestimmt die schönste Zigarette hier oben gewesen meine ich zu ihm und frage ihn ob ich mit ihm singen soll. Allerdings fällt ihm und mir kein passendes Lied ein. Na egal, er spielt eines seiner Lieblingslieder eines texanischen Liedermachers für mich - die Schönheit des Augenblicks und die allgegenwärtige Wehmut treiben mir fast die Tränen in die Augen.
Der Blogeintrag ist fertig, nun nochmal schnell die Augen zu machen für die Party.

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