Montag, 6. Juli 2009

48 Stunden Wochenende

Husch husch, schnell hübsch gemacht und auf gehts zurück nach Brooklyn. Mit meiner U-Bahnfahrt fällt der Startschuss für ein denkwürdiges Wochenende.
Hans und zwei...
Freundinnen aus Deutschland sind dort in dem Club "Assembly Line" wo die Veranstaltung einer Eventreihe mit dem Namen "The Bunker" stattfindet. Wie der Name schon initiert ist das musikalische Konzept auf Techno ausgelegt. Drei Berliner DJ's stehen auf dem Line-Up, 2 Floors und 20$ Eintritt. Der Club ist ziemlich einfach in seiner Aufmachung, kahle Backsteinwände, zerfressener Betonboden, Holzinventar und Kronleuchter. Er grenzt an ein Industriegelände und liegt im Erdgeschoss eines Lagergebäudes. Eine Lichtanlage, passend zum Konzept, gibt es nicht. Die Stimmung in den düsteren Räumen ist super. Auf dem Mainfloor läuft richtig toller Vorwärts Techno auf hoher BPM Zahl, Marcel Dettmann on decks. Auf dem kleineren spielt Move D sehr schönen House, sehr pianolastig mit erstaunlichen schnellen Trackwechseln.

Beide benutzen Serato. Die Amis stehen auf deren Sound. Hier wird das Berghain (Club in Berlin) als der beste Club der Welt gehandelt. Jeder der was auf sich hällt war schon mal da. Die Begeisterung einiger, mit denen ich mich unterhalte, ist riesig: "you guys have awesome partys". Oh ja, im unmittelbaren Vergleich habe wir die. Mehr als Berlin kennen sie meistens nicht. Die studentischen Europatrips beschränken sich oft auf unsere Haupstadt. Berlin ist Deutschland und der Rest ist Wald. Nagut, hinter der Wald liegt vielleicht noch München. Mit Move D stehen wir draußen beim Rauchen. Wir sind die einzigen Deutschen hier mit den DJ's. Die meiste Zeit bin ich am Tanzen auf den vollklimatisierten Floors. Meine grüne Jacke aus Amsterdam erfreut sich großer Beliebtheit - it's gorgeous! Dieses Stück Mentalität muss ich mit nach Deutschland nehmen - auf jeden Fall!
Zwischendurch bekomme ich Hunger und suche ein Deli. Ich freu mich schon. Erstens ist das Essen billig und die Gespräche da drinnen... Was mitten in der Nacht in Delis passieren kann ist teilweise comedyreif. Wie auch dieses Mal - 3 betrunkene Jungs stehen vor der Theke und versuchen zu bestellen. Was, ihr habt keine Eier mehr? Na toll, ich wollt ein Rührei Sandwich. Gemeinsam belabern und beknien wir den Verkäufer, einer der Jungs bietet ihm sogar ein Blowjob an. Ich kann nicht mehr vor lachen. Naja, gegrillter Käse auf Toast tuts auch. Auf dem Rückweg finde ich ein Partyhütchen mit der Aufschrift "Happy Birthday". Ab jetzt bin ich das Geburtstagskind. Kurz vor 6 gehen wir, schließt eh gleich. Wir entschließen uns zum nahegelegenen Wasser zu gehen um die Skyline von Manhattan zu bestaunen. Kacke, die Industrieanlagen am Ufer sind alle abgesperrt - kein Durchkommen. Hans und ich stellen uns auf eine Holzpalette, die an einem Zaun lehnt, die Mädels hatten sich bereits verabschiedet.

Wir haben uns ausgemacht am nächsten Morgen mit ihnen in den High Line Park zu gehen, dann auf den Brooklyner Flohmarkt und danach auf ein kostenloses Konzert im Battery Park. Wird ganz schön knapp - hm, lohnt sich mehr nach Hause zu fahren - lass uns im High Line Park pennen - ok. Wir laufen durch Brooklyn und entdecken eine witzige Holfigur auf dem Grundstück eines Hauses. Der Besitzer sieht uns zufällig durchs Fenster als wir dieses Foto machen und kommt raus mit seiner kleinen Tochter auf den Schultern. Er erzählt uns, dass es ein Werk eines befreundeten Künstlers wäre, drinnen hat er auch noch ein Gemälde - kommt doch kurz rein. Hans und ich können mal wieder unseren Augen nicht trauen. Wir bedanken uns für den Einblick und schlendern weiter.
Der Besitzer eines Delis macht seinen Gehweg sauber.
Auf unserem Weg treffen wir ein Pärchen was auch auf der Party war. Zu viert machen wir uns es auf den Liegeflächen im Highline Park bequem. Für alle geschockten Mütter: Das Ding wird rund um die Uhr von Sicherheitspersonal bewacht, einer von denen ist immer in unserer Nähe. In den 2 Stunden die wir da dösen, beobachte ich immer wieder Leute heimlich durch mein Pony wie sie Bilder von uns machen. Sieht ja bestimmt auch lustig aus wie wir da in der Embrionalstellung und Happy Birthday Hut zusammengekauert liegen ;o). Als es voller im Park wird bittet uns ein Sicherheitsmann aufzustehen, macht halt kein gutes Bild, ne. In einem American Diner trinken wir heiße Schokolade zum Aufwärmen. "Employees must wash hands" (Angestellte müssen ihre Hände waschen) - steht so ziemlich in jeder Toilette New Yorks und macht einen anfangs schon stutzig.
Streetart im Meatpacking District
Hans Mädels verspäten sich, Wecker nicht gehört, Planänderung. Ok, fährt das Geburstagskind halt mit anderen Teilnehmern nach Coney Island zum Strand. Immer wieder gratulieren mir einige Passanten beim vorbeigehen ;o). Helen bringt mir aus meinem Zimmer Badezeug mit. Die Fahrt dorthin kommt mir in meinem Zustand wie eine halbe Ewigkeit vor, ich will doch einfach nur zum Strand um dort zu chillen und zu schlafen. Jedoch werd ich abrupt aus meiner Träumerei gerissen als ich angkomme. In ein paar Minuten beginnt auf einer Straßenkreuzung das internationale Hot Dog Wettessen. 10 Minuten Zeit um so viele Hot Dogs wie möglich hinunter zu schlingen. Fernsehkameras verfolgen das Ganze live neben den Massen, die sich dort tummeln. Für mich gerade der absolute Horror. Übermüdet wie ich bin setz ich mich an eine ruhige Ecke und warte bis das Fressspektakel ein Ende hat um die Anderen zu treffen. Mit denen gehts dann zum nahegelegenen Strand. Fast Food Stände quetschen sich dicht an dicht hinter die Bürgersteige, ein riesiger Rummelplatz dazwischen. Es herscht Volksfeststimmung an diesem 4. Juli. Der Independence Day ist ein Feiertag und Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der USA. Vom viel besprochenen Patriotismus sehen wir allerdings nicht viel. Alle New Yorker, die ich gefragt hatte was die so treiben, wussten es noch nicht, aber sicherlich wird es ein Barbecue mit Freunden geben. Durch den weißen Sand stapfe ich in der Mittagshitze dem Nordatlantik entgegen. Vor lauter Menschen sind man kaum den Strand. Viele schwarze Familien sind da, von jeder dritten Liegefläche dröhnt laute R&B, Crunk oder Dancehall Musik aus einem Ghettoblaster. Beinahe überall wird gegessen, viel Fettiges, Frittiertes oder Süßes.

Ich creme mich ein und leg mich erstmal ne Stunde aufs Ohr, während die anderen in den Ozeon springen. Später freunde ich mich dann auch mit dem Wasser an, aber mit dem aus einer Plastikpalme. Oben aus der Krone kommt eine Wasserfontäne und unter ihr spielen Kinder. Mehrere Male husche ich darunter hindurch, es fühlt sich an wie ein Sommerschauer, bloß witziger - witziger Regen, sozusagen.

Gegen 18.00 Uhr fahren wir wieder heim um vor dem großen Feuerwerk anlässlich des Independence Day noch was zu essen.
Daniel - Stefan - Johanna - Maxi - fix und fertig in der U-BahnNe halbe Stunde Hinlegen muss sein, aber mehr ist auch nicht drin, dann gehts auf die Dachterasse zum gucken. 20 Minuten dauert das Spektakel. So ein gr0ßes Feuerwerk hab ich noch nie gesehen. Obwohl wir relativ weit entfernt stehen, nur leicht hört man die Detonationen, sehen die Funkenregen riesig aus. Sogar Würfel- und Dreiecksformen erleuchten den Nachthimmel - irre.



Gleich danach wird die Partyplanung in Angriff genommen. Für heute steht schick Weggehen auf dem Programm, eine Stunde hat jeder um den Sand aus den Schuhen zu kratzen und sich aufzubretzeln. Mit meinen neuen High Heels, dem engen Kleid und der H&M Handtasche mache ich mich ganz in schwarz auf den Weg nach unten. Dort treffe ich auf Daniel, kurz darauf kommt Pawel dazu. "Ach, hasst du ein cooles Hemd an", "Ja danke, du auch", "Äh, Hallloooooooooo???", "Oh, äh... sorry, ja Maxi du siehst auch gut aus." Na wenigstens sind die zwei Pappnasen peinlich berührt! Zu sechst fahren wir in 2 Taxen zum Club und auf dem Weg spricht uns ein Promoter an. Ob wir nicht Lust hätten lieber in seinen Club zu kommen, freier Eintritt und Freigetränke verspricht er uns. Nagut, ist auf der gleichen Straße und draußen stehen schon viele Leute. Er drängelt sich mit uns durch die Schlange der Wartenden nachdem er uns noch 2 Mädels klar gemacht hat. Mit 4 Jungs und 2 Mädels wirds nämlich problematisch reinzukommen. Mit Johanna betrete ich als erstes den Club, der noch völlig leer ist. Na toll, schon nach 12 und hier drinnen geht nix. Was? Die Jungs mussten 20$ Eintritt bezahlen und der Promoter ist auch weg? Oh man, das fängt ja toll an. Ein bisschen eingeschüchtert stehen wir am Eingang rum, während Boris versucht den Promoter ranzuholen. Da entdecke ich sie, die schönste Frau, die ich bisher in NYC gesehen habe. Ich gehe hin und sage ihr das sie umwerfend aussieht und darf auch ein Foto machen. Die anderen gucken komisch - naja, als Modedesignerin achtet man halt auf solche Leute, egal welches Geschlecht.
Die linke natürlich ;o)!
Es wird etwas voller und der Promoter ist auch endlich da. Ron begleitet uns zu einem Tisch und meint er wäre gleich wieder da. Ok, mal sehn. Was dann passiert ist mal wieder wie nen Jackpot zu knacken. 2 Kellner kommen und bringen einen Eiskühler in dem eine riesige Flasche Wodka liegt und dazu noch 4 Karaffen mit Säften. Ron fühlt persönlich die Gläser mit Eis, einem Schuss Wodka und Cranberry Saft. Prost, alles for free für die nächsten 3 Stunden. Immer wieder schenkt er uns an diesem Abend nach und schaut ob alles in Ordnung bei uns sei. Kaum haben wir angestoßen ist der Laden voll und die Masse am rocken. Der DJ legt mit Serato auf, ziemlich gut sogar und spielt ne Mischung aus Hip Hop Classics, R&B, Pop, Nurave und natürlich Michael Jackson. Die schönste Frau sitzt plötzlich auch an unserem Tisch und ihre Freundin will Bilder von uns beiden machen. Ganz selbstbewusst posiert sie neben mir wie ein Model, tanzen tut sie nur selten, und egal was sie macht, sie sieht verdammt deluxe aus. Überhaupt auch die anderen Leute hier. Nur ein Mädel endecke ich in Hosen, alle anderen tragen Kleider, oder knappe Hosen mit High Heels. Der Laden selber ist in einem Safarithema eingerichtet. Die Griffe an der Eingangstür sind aus Holzelefantenköpfen und innen wurde mit Elfenbein und Stoßzähnen dekoriert. Mitten durch den länglichen Floor zieht sich ein langes Podest zum Tanzen an dessen beiden Seiten sich eine lange Sofafläche mit den Tischen befindet. Auf den Toiletten, jede einzeln mit Waschbecken und Spiegel ausgestattet, reicht einem ein Angestellter Papierhandtücher beim hinausgehen. Der Laden ist so deluxe - draußen steht nicht einmal der Name dran. Obwohl das überhaupt nicht mein Metier ist, hab ich super Spaß mit den anderen.




Bis 4 Uhr tanzen wir und schlürfen unsere Wodka Cranberry Drinks. Meine Füße tun höllisch weh, zum Glück wollen die anderen auch nach Hause. Draußen tummeln sich schon die Taxis und das steht sie plötzlich - eine weiße Stretchlimo hällt vor unseren Füßen und der Fahrer fragt wo wir hin wollen. Er bringt uns für 60$ zum I-House - ne, das ist uns zu viel, oder doch nicht? Das Angebot ist zu verlockend. Wir handeln ihn runter auf 40$ und tatsächlich er machts. Immer wenn man glaubt es könnte nicht besser werden, passiert das nächste Unglaubliche. Während er auf der Schnellstraße vorbei an der Skyline von New Jersey fährt, stecken wir wie aufgekratzte Hühner immer wieder unsere Köpfe aus dem Schiebedach um Fotos zu machen. Nur wenn wir Cops sehen, sollen wir abtauchen, sonst gibts ne Strafe für ihn. Irrrrreeee!!!!




Zuhause angekommen gegen 5 Uhr steigen wir für einen Absacker auf die Dachterasse und nutzen die aufgehende Sonne für Erinnerungsfotos für eine unbeschreibliche Partynacht.Boris und Pawel


Bastian

Johanna und Bastian







Woher ich die Energie für all das genommen habe? Ich habe nicht den blassesten Schimmer!

PS: es ist jetzt schon wieder viel zu spät, deswegen möge man mir die Rechtschreibfehler verzeihen.

1 Kommentar:

  1. uR that crazy --- poooh! i get excited from reading only ... wenn ich nicht zwischendurch mit Dir telefoniert hätte nachts um 3 die dreiviertel Stunde, Du mit der Nähnadel zwischen den Zähnen, würde ich denken: jez iz alles 2 L8 ... *hihi - am besten, ich miete fürs Abholen von Tegel einen van mit Schlafcomfort :=))

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