Um 13.00 Uhr gehts weiter. Heute soll eine mittelalterliche Szene gedreht werden. Dazu hat man das Set in einem Seitenteil der St. John...
the Divine Church aufgebaut.


Die Gaderobe befindet sich im Haus des Bischoffs auf dem gleichen Gelände, was 2 ganze Straßenblogs umfasst.
Haus des Bischoffs:

Die Ausmaße dieses Arials und der Kirche selber lassen mir den Atem stocken. Hier ein paar Infos von Wikipedia:
Mit 11.240 m² Grundfläche, einem Volumen von 476.350 m³ und einer Länge von 183,2 m ist sie die größte anglikanische Kirche und nach dem Petersdom und der Basilika Notre-Dame de la Paix die drittgrößte christliche Kirche der Welt. John the Divine sollte die größte werden, ist aber erst zu zwei Dritteln fertiggestellt. Die Bauarbeiten sind 1999 vorläufig aus Geldmangel eingestellt worden.Als erstes endecke ich den obligatorischen Catering Stand, an dem sich in der brütenden Hitze Crewmitglieder und mittelalterliche Menschen an Pommes, Würstchen und Speck zu schaffen machen. Ich humpel an ihnen vorbei, mein Bein schmerzt immer noch. In dem Haus des Bischoffs hat man im Keller die Gaderobe und die Maske eingerichtet. Als ich komme, sind schon fast alle fertig eingekleidet. Geschminkt werden muss kaum einer, nur eine Frau bekommt Ärger, weil sie künstliche Fingernägel hat. Das wurde im Vorraus mehrere Male untersagt. Eine andere Dartsellerin ist mit ihren 2 Töchtern da und macht einen heiden Aufstand weil sie der Meinung ist, sie würde unmöglich in dem Kleid aussehen, was sie trägt. Die Töchter tun es ihr gleich und befehlen, dass man die Schürzen an ihrem Outfit weglässt. Weil alle viel zu müde und ausgepowert sind, gibt es keine große Diskussion und man tasucht die Outfits aus.
Dann laufen alle zum Set. Am Straßenrand hat eine Pferdehalterin gerade die Klappe des Transporter geöffnet um einen Schimmel mit ans Set zu nehmen. Sie ist keine Schauspielerin aber sie kann mit den Tieren umgehen, daher hat sie auch ein Kostüm um in der Szene das Pferd durchs Bild zu führen. Übrigens die Frau am rechten Bildrand ist keine optische Täuschung sondern amerikanischer Alltag.

Am Set selber muss ich wieder staunen. Total wirklichkeitsgetreu hat man einen kleinen Marktplatz innerhalb der Grundmauern des Seitentrakts errichtet. Das Ganze ist open air, allerdings gibt es wieder diese irrsinnig hellen Strahler die an Kränen über dem Komplex hängen. Alles ist viel enger hier als gestern noch, im Hof parken die riesigen Trucks für Kostüm, Technik, Produktion, VIP's,... dicht an dicht. Man fängt an die Szene zu proben und alles läuft gut. Nicolas Cage ist auch schon da in Begleitung mit einer wunderhübschen Monica Belucci. Sie ist etwas kleiner als ich und stark geschminkt. Der Dreh verläuft problemlos, erst einmal ohne Ton und dann noch 2 Mal mit. Dann das Ganze nochmal aus einer anderen Perspektive. In der Zwischenzeit sind dunkle Wolken am Himmel aufgezogen, man hatte Unwetter für heute vorrausgesagt. Keine 10 Minuten später fängt es an zu blitzen und zu donnern. Die Kostüme dürfen unter keinen Umständen nass werden, deswegen stehen wir schon mit Regencapes für alle bereit. Nach einem heftigen Donnerschlag befiehlt der Regisseur sofort alle Darsteller in den angrenzenden Haupttrakt der Kirche zu bringen. Mit den letzten Leuten, die hineingehen fängt es auch schon an. Im Innenhof befinden sich aber noch die Tierhalter, verdammt! Pflichtbewusst schnappe ich mir ein paar Capes und bringe sie ihnen, es wird schlimmer. Ein paar Technicker sind dabei eine große Plane an einem Rahmen zu befestigen, der die Erde unter ihm trocken halten soll. Ich helfe sie mit festzubinden und plötzlich kommts richtig heftig runter. Ich kann mich noch unter eine Unterführung retten kurz vor dem Seiteneingang zur Kirche. Dort bin ich nun gefangen, zusammen mit einem Techniker und einem kleinen Spanier der Sandwiches verteilt hatte. Ich denke noch so: lang kann das ja nicht dauern, so ein Wolkenbruch. Damit sollte ich Recht behalten, allerdings habe ich die Wassermassen unterschätzt die das mit sich bringt. Langsam aber unaufhörlich bahnt sich die Dreckbrühe, ein Gemsich aus aufgeschütterter Erde und Heu, ihren Weg durch die Unterführung. Ich stell mich immer weiter an den Rand, der Spanier bietet mir grinsend ein Sandwich an - haha. Das Wasser steigt immer höher und meine Beine werden mit Dreck von den aufschlagenden Regentropfen beschpritzt. Das Cape reicht mir gerade bis zu den Knien. Zu allem Übel ist der Wind auch noch recht stark, sodass es tierisch in der Unterführung durchpfeift. Es blitzt und donnert in einer Tur, man könnte meinen die Welt geht unter so laut und heftig klatscht der Regen auf den Boden. Ich muss wieder lachen, denn mittlerweile habe ich mich an die einzig trockene Stelle im Tunnel gerettet, die wo der Haufen Pferdescheiße liegt. Ich nehms gelassen, presse mich mit dem Po an die Wand und schieße sogar ein Foto von meiner eigenen Misère.

Endlich, nach 20 Minuten lässt der Regen etwas nach und ich kann zu den anderen in die Kirche. Da drinnen erschlägts mich fast, die ist noch größer als sie von außen aussieht. Dunkel und gespenstig ist es beinahe, zumal die Szenerie schon wieder total surreal ist: dort sitzen ca. 150 mittelalterlich gekleidete Menschen auf den Bänken einer alterwürdigen Kirche. Darüber kann man nur lachen.

Nach einer halben Stunde kann es weiter gehen. Naja, was heißt kann... es muss. Es regnet nämlich immer noch, aber die Verzögerung kann sich keiner leisten, wir haben nur heute. Mittlerweile haben die Techniker die Plane höher gespannt, die Kamera anders positioniert und das Licht neu eingestellt, sodass es immer noch taghell aussieht. Der Himmel ist allerdings schwarz und es regnet noch immer. Egal, man holt einige Schausspieler aus der Kirche und ab geht die Nahaufnahme. Man würde bei so einer Einstellung kaum sehen, dass es regnet, erklärt mir einer, das könne man alles nachbearbeiten. Soso, bin ja mal gespannt wie das später im Film aussieht. Nur Mist, das ich noch bis 2010 warten muss.
Der Innenhof ist natürlich mit Wasser vollgelaufen sowie die 2 Zugänge dahin. Die Helfer haben alle Hände voll zu tun dieses Problem zu beheben. Man nimmt Heulballen auseinander und verstreut sie über den ganzen Hof, helfen tut das nicht viel. Ich mache nur einen falschen Schritt und lande mitten in der Schlammlache. Toll, heute früh hatte ich extra den gelben Sand runtergewaschen, alles für den Arsch. Nach einer Stunde ist die Produktion halbwegs zufrieden mit dem Ergebniss und die Background Darsteller werden nach Hause geschickt. Das heißt auch für uns bald Feierabend. In der Gaderobe befiehlt mir Donna mich hinzusetzen und auf die Karteikarten der Darsteller sowei deren Verträge aufzupassen, die anderen sollen ausziehen helfen. Ich humple zum Catering und mache es mir dann bei den Unterlagen gemütlich. Vor mir bahnt sich eine lange Schlange männlicher Darsteller den Weg in die Kabine, sie werden einzeln aufgerufen um Chaos zu vermeiden. Dabei spricht mich ein witziger alter Mann an. Ach, aus Deutschland sei ich, er war auch schon mal da, vor ungefähr 50 Jahren. Boar, da wurde gerade mal meine Mutter geboren. Er versucht mich mit gebrochenem Deutsch anzuflirten, ich hätte Augen wie ein Liebeslied und das schönste Lächeln der Welt. Ich krieg mich fast nicht mehr ein vor lachen. Auf so einem Filmset trifft man die verrücktesten Leute. Vorallem wer glaubt, die Leute in den Mittelalterfilmen würden extra geschminkt oder verunstaltet, um so... na mittelalterlich auszusehen, der täuscht sich gewaltig. Die tragen zwar Jeans und T-Shirt, aber der Rest sieht wirklich nach Merlin oder Kräuterhexe aus. Auch dieser eine sehr alte, knochige Mann, er hatt jemandem von Team erzählt, dass er immer im Sommer in die Stadt käme, als Statist sein Unterhalt verdient und dann wieder heimkehrt. In einen Wald, dort lebt er einsam in einer Hütte und schreibt Bücher über vegane Ernährung - irre.
Die Klamotten sind am Saum klitschnass und müssen erstmal trocknen. Ich humpel nach Hause, immer hin ist es schon wieder 21.00 Uhr, die Zeit verfliegt an so einem Filmset. Ich setz mich nur kurz zu den anderen vor die Kantine. Viel Zeit hab ich nicht, ich soll ja noch Blog schreiben ;o).
Einen Tag später erfahre ich, dass der Dreh mit den Hauptdarstellern noch bin 3.00 Uhr gedauert hatt.
na ein Glück, dass wir gestern telefoniert haben und ich mir nicht Sorgen machen brauche :=))
AntwortenLöschendie Kirche ist g*** und ich bin riesig gespannt auf all die anderen Fotos - kann ich mir sehr gut vorstellen, das Bild mit den mittelalterlichen Menschen in den Bänken - ein Traum ... Knutsch
(Sag mal: kriegst du auch Steffis Kommentare? sie sagt, es geht ned)