Donnerstag, 2. Juli 2009

Das toppt alles!

Da ich bereits gerügt wurde, nicht weiter geschrieben zu haben, hatt ichs heute eiliger nach Hause zu kommen... außerdem muss ich es auch loswerden. Das muss alles...
in Worte gefasst werden um es zu begreifen, denn das ist oft beinahe unmöglich. Wer glaubt es seien Freudentränen gewesen die mich überkamen, der irrt. Tatsächlich waren es die Nerven, die plötzlich blank lagen.
Als ich zum Set zurückkehre, atme ich tief durch und sage mir immer wieder: Ok Maxi, du hast hier einen Job, also erledige ihn auch, egal was oder wer um dich rum ist. Der wäre da folgender: Nachdem ich die Schauspieler angezogen hatte, muss ich nun schauen, dass alles so bleibt wie es die Gaderobe verlassen hat. Eine Szene wird meistens aus verschiedenen Blickwinkeln gedreht, deshalb muss man höllisch aufpassen, dass der Zipfel eines Halstuchs nicht plötzlich auf der anderen Seite runterhängt. Das sei doch kein Problem? Eieiei, zum einen sind einige Darsteller komplette Laien, die teilweise nur schwer Englisch verstehen. Das heißt, denen ist völlig schnuppe wie sie aussehen, Hauptsache sie dürfen einmal neben Nicolas Cage stehen. Zum Anderen kann der Dreh einer Szene aus mehreren Perspektiven Stunden dauern und da Schauspieler auch nur Menschen sind, zubbeln sie gerne an sich rum, gehen auf Toilette, essen und bekleckern sich, machen Faxen, ... . Außerdem, wer von uns kommt nach einem Arbeitstag nach Hause und sieht so aus wie er das Haus verlassen hat ;o)?!
Bevor Nicolas ans Set kam hatt man schon mit einem Crewmitglied als Double den Ablauf der Szene geprobt, bestimmt 4 - 5 Mal. Immer wieder wird die Kamerafahrt überarbeitet, Schauspieler anders positioniert, Licht reguliert, ... es ist genauso wie man es vom Bonusteil einer Film DVD kennt, wenn das Making Of gezeigt wird. Einer schreit, "rolling... dann hällt ein anderer die Klappe vor die Kamera und ruft die Nummer des Takes... aaaand Background... alle Hintergrunddarsteller sollen sich schon mal bewegen, reden oder Geräusche machen... aaaand action... Ruhe und die Szene läuft... cut". Plötzlich springen dann alle auf und wuseln wie Ameisen durchs Set. Ich auch, Turbane richten, Ohrringe wieder befestigen, Hosen oder Sahris neu drapieren, Hinweise geben dass das I-Phone aus dem Hosenbund schaut... Manchmal hab ich das Gefühl, dass die Männer glauben ich wolle flirten, weil ich sie von oben bis unten intensiv mustere ;o). Alle halten aber still und bedanken sich ganz nett, wenn ich etwas gerichtet habe. Außer dieser eine kleine Junge, jedes Mal muss ein anderer von uns hin, um seinen Turban wieder und wieder zu korrigieren. Er ist vielleicht 9 Jahre alt und einer von der frechen Sorte immer mit nem kessen Spruch auf den Lippen. Ruhig halten tut er schon gleich gar nicht. Bis zu dem Punkt als eine Kollegin meint, sie müsse den Turban an seinem Kopf festnähen, wenn das weiter so geht. Da werden seine Augen ganz groß und er ganz klein ;o). Die anderer Darsteller sind ganz gelassen, stundenlang müssen sie an der gleichen Stelle stehen oder sitzen und warten. Sie unterhalten sich miteinander, machen Späße, fotografieren, oder essen. Ständig kommen Catering Leute und bringen die leckersten Sachen, wie Früchte, Sandwiches oder Kekse. Als gäbe es am Eingang nicht schon den super sortierten Catering Stand mit Chips, noch mehr Obst und Gemüse, Dips, Joghurt, Müsli, Käse, 5 verschiedene Sorten Erdnussbutter, Schokolade,... und dazu noch in den Pausen warme Speisen: Frühstück, Mittag und Abendbrot. Es ist die Hölle für mich. Ich komm aber auch einfach nicht daran vorbei, verdammt!
Einige haben sich beim Umziehen meinen Namen gemerkt, den ich auf meinen Crew Aufkleber am Shirt geschrieben habe, und sagen irgendwelche witzigen Sachen zu mir, wenn ich zum Korrigieren übers Set laufe. Ich kann mich nicht mehr halten vor lachen, als einer die Bettlergeste nachahmt und etwas in seinen unechten Bart brabbelt, was indisch klingen soll. Oder ein anderer mit seinem Kichererbsenkorb kommt und sie mir verkaufen will. Noch sind alle guter Laune, doch mit der Zeit lässt das nach. Es zieht sich. Donna und David sehen total fertig aus. Sie haben aufgehört zu arbeiten und angefangen nur noch zu funktionieren. Ich helfe David bei einem Turban und meine auf Englisch, dass er müde aussehe. Dummerweise bedeutet das sinngemäß so viel wie: du siehst total alt/runtergekommen aus. Er meint: Es ist nicht nett das zu sagen, zum Lächeln ist er zu beschäftigt aber ich weiß, dass ich mit einer Entschuldigung und dem Ausländerbonus aus dem Schneider bin.
Wenn die Probe gut gelaufen ist, kann aufgenommen werden. Beim ersten Mal darf der Background keinen Mucks von sich geben, nur die Hauptdarsteller reden. Das macht man, damit sie im Film nicht übertönt werden. Mit dieser Szene kann dann später korrigiert werden, falls etwas zu laut oder zu leise ist. Lustig ist das schon, denn alles bewegt die Münder, aber man hört nichts. Die Zeit verfliegt und es wird früher Abend, es gibt ein Problem mit einem Generator, der Tageslicht simulieren soll. Deswegen weicht man auf eine Nebenszene aus. Ich kann an dieser Stelle nicht viel mehr darüber erzählen, weil eigentlich alles strikt geheim bleiben soll. Nicht mal Nicolas Cage's Name wird auf der Übersicht aller Beteiligten erwähnt, es soll ein Geheimniss bleiben bis zum Filmstart 2010. Die anderen finden das genauso lächerlich wie ich, schließlich steht es schon im Internet.
So langsam tut auch mein Bein immer mehr weh. Am Sonntag muss mich nachts irgendwas gestochen haben, denn es krabbelte wie ein Mückenstich. Doch mittlweile ist es dick, rot und so breit wie eine Haselnuss, ich bin nur noch am Humpeln. Einer unseres Teams meint, es sähe aus wie ein Spinnenbiss, aber ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen. Ich setz mich nun des Öfteren hin und beobachte die Szenerie. Zwischen den kurzen Drehunterbrechungen sitze ich direkt 2 Meter entfernt von Jon Turteltaub und beobachte wie er mit dem süßen Sohn von Nicolas Cage spielt. Er zeigt ihm Zaubertricks, z.B. wie man Taschentücher in der Hand verschwinden lässt. Der Kleine ist total aus dem Häusschen und die Attraktion unter den ganzen wichtigen Leuten, die sich um den weltberühmten Produzenten sammeln. Dort sitzt auch die persönliche Stylistin von Nicolas. Es ist schon so, dass den Hauptdarstellern eine Sonderbehandlung zukommt. In den längeren Pausen wird Nicolas meistens von einem Bodyguard rausgebracht und in eine Limousine gesetzt. An der spazieren ahnungslose Touristen vorbei... irgendwie witzig, wenn die wüssten!
Es ist mittlerweile kurz vor 23 Uhr was bedeutet, dass die Kinder das Set verlassen müssen. Das ist schade, denn in den Proben für die große Szene, sind sie immer so herzig über den Marktplatz getobt. Aber es geht nun mal nicht anders, auch nicht für einen so großen Film. Ich begleite sie zu den Garderoben und helfe ihnen die Sachen aufzuhängen. Ich frage einen kleinen Jungen, ob es ihm gefallen hat und ob er Spaß hatte. Klar hatte er Spaß, vorallem mit ihm (deutet auf den Frechdacks). Dann soll er seine Hose ausziehen aber er schaut mich nur von ganz da unten an und fragt flüsternd: "Can I have some privacy please?" (Kann ich bitte ein bisschen Privatsphäre haben?). Oh, na klar! Ich dreh mich um und kann mir gerade noch so das Lachen verkneifen, sooo süüüß!
Es dauert noch bis 2 Uhr als endlich alles im Kasten ist und dann fängt mein Teil der Arbeit erst richtig an. Über 200 Darsteller wollen so schnell wie möglich aus ihren Kostümen raus und nach Hause. Wir stehen zu acht in den 2 Umkleiden und kommen kaum nach mit Sachen aufbügeln und in die entsprechenden Kleidersäcke sortieren. Mit Donna kann ich zum Glück im Auto nach Hause fahren, sonst würde mir eine einstündige U-Bahnfahrt blühen. Gegen 3:30 bin ich zu Hause und schütte mir den Sand aus den Schuhe. Von oben bis unten staubig, meine Beine, Strümpfe, Schuhe... alles gelb.
Wieder einer dieser Tage, der alles bisher Dagewesene getoppt hat. Dieser ganze Aufwand und die Dauer eines Drehs, die vorher kaum abzusehen ist. Es muss halt in den Kasten, einen Tag später nochmal alle Schauspieler und Tiere so herzurichten, sodass alles wie am Vortag aussieht, wäre viel zu aufwendig.
Nur so nebenbei, die heutige Szene wird im Film ca. 30 Sekunden dauern und kostete 2 Millionen Dollar (über 1,4 Millionen Euro).

1 Kommentar:

  1. Da wirst Du ja diesen Film dann mindestens 30 Mal ansehen und mir dann alles live erklären???
    Was sagen Deine doitsch-Kolläschen??? Da kann man ja platzen vor LAUTER Neid :=)))

    Hier spricht Deine Mutter: geh ja zum Arzt, wenn das mit dem Bein nicht besser wird - es kann eine Blutvergiftung werden!!!! Glaub mir das!
    Du wirst nicht die Einzige sein, die mal zwischendurch ein Zipperchen hat, oder? Mit einem Stich ist nicht zu spaßen. Sag ich aus eigener Erfahrung. Sieht harmlos aus, aba der DOC sieht was anderes.
    Drück Dich dolle
    Deine Mama

    AntwortenLöschen