Dienstag, 9. Juni 2009

Mal eben schnell

Nunja, mit Ausschlafen am Samstag war nicht viel. Halb sechs ist die Nacht für mich vorbei, weiß der liebe Gott warum. Egal, endlich komme ich dazu mal...
den e-mail Kram zu erledigen und sämtliche Unterlagen der letzten Tage zu sortieren, auszufüllen und dazugehörige Informationen in meinem Kopf zu speichern. So wirklich prickelnd gehts mir noch immer nicht, Angebote mich diversen Grüppchen anzuschließen muss ich ablehnen. Nach einem weiteren Nickerchen, fühl ich mich einigermaßen, um mal eben zu meinem Arbeitsplatz zu fahren und noch einen bestimmten Vintageladen in der Nähe des Ground Zero zu suchen. Mehr nicht, noch bin ich krank und will mich schonen für Montag, meinen ersten Arbeitstag. Tja, da hatte ich die Rechung ohne NYC gemacht.
An der Central Station sollte ich umsteigen und dabei viel mir eine ungewöhnliche Gesangstruppe auf. Sonst mit Panflöte und Poncho bewaffnet, standen hier mormonenähnliche Menschen und sangen folkloristische Lieder. Ich fand deren Kostüme interessant und postierte mich für ein Foto. In der Sekunde, in der ich abdrücke tippt mir ein Mann auf die Schulter und meint schmunzelnd auf Englisch: Kann ich ihnen ein lustiges Motiv vorschlagen? Ich nicke und er fängt zu erklären ich solle mich ganz nahe an die Mädchen in der ersten Reihe stellen und so zielen, dass ich deren Nasen drauf hätte. Etwas verduzt schau ich ihn an, worauf er lachend ein "who's your daddy, you know what I mean?" raushaut. Noch immer tappe ich im Dunkeln. Da meint er: Schaun sie, anscheinend handelt es sich um eine Sekte oder eine dieser dubiosen religiösen Vereinigungen. Und wenn sie mal genauer hinschauen, dann werden sie feststellen, dass die Frauen in der ersten Reihe alle die selben Nasen haben, sie verstehen? Soso, da war sie also, die amerikanische Ironie, auf die man mich schon vorbereitet hatte. Wir lachen uns an und er geht seiner Wege. Übrigens, die Nasen sahen wirklich verdammt ähnlich aus.
Auf meinem Weg in Richtung Ground Zero macht der touristische Verkehr eines Samstag Mittags auch nicht halt vor mir. Ein Mann wirbt brüllend für seine 10 Dollar "Designer" Handtaschen.

Parkplätze in Financial District:
"Throwing food into the garden may attract rats. Thank you for placing trash in the basket"
Klingt lustig für uns, in NYC eine ernstzunehmende Plage seit Beginn der Besiedlung. In den letzten Nächten ist mir ab und an auch schon mal eine über den Weg gelaufen. Auch anderes Getier schnuppert gern Großstadtluft, wie zum Beispiel Kackerlaken auf dem Zimmer einer anderen Teilnehmerin.


Natürlich wird mir ziemlich schnell klar, dass "so'nen coolen Laden irgendwo am Ground Zero" zu suchen, in einer Stadt wie NYC völliger Blödsinn ist. Gefunden habe ich also nicht, aber dafür laufe ich von der Südseite in die Lower East Side - einfach so, mir war halt danach. Hier am Hafen:
Von dort aus gehts weiter, bis ich Teile der Brooklyn Bridge in weiter Ferne endecke. Getrieben von dem Gedanken "Na jetzt biste einmal hier" begebe ich mich in die Richtung und komme an den Brückenfeilern raus.
Auf dem Weg daran vorbei höre ich laute Rapmusik und gröhlende Massen. Ne Party? Super, muss ich hin. Durch einen Brückenfeiler hindurch, sehe ich zeimlich viele Menschen, die alle in die Richtung mehrerer Typen auf einer Brüstung hechten. Sofort mache ich mich auf den Weg mitten ins Geschehen und bekomme heraus, dass es sich um eine Guerilla Merchandisingaktion eines Skateboardherstelller handelt. Die Typen auf dieser Brüstung werfen also Shirts, Schachteln mit Fingerboardzubehör und allerlei anderen Kram darunter und die Leute auf dem Platz scheinen sich fast zu zereißen. Einer kommt tatsächlich mit zerissenem Shirt aus dem Pulk, ein andere hällt sich seine blutende Hand. Schon kurz darauf stoppt die Musik und irgend einer sagt sowas, wie: "Das wars, geht nach Hause Leute".

Auf meinem Weg weiter in Richtung Chinatown komme ich an einem Park mit ganz vielen Eichhörnchen vorbei, am Gerichtsgebäude wo gerade jemand abgeführt wird und an einer überfahrenen Ratte.
Ein Mc Donalds Mitarbeiter sitzt in seiner Pause auf der gegenüberliegenden Parkbank und zeichnet Graffities.
Das Tor zu Chinatown sieht aus wie ein Pavillon aus Beton. Davor performt anscheinend eine Art Freestyle - Jam - Session - Band chinesische Folklore. Geplant kann das nicht gewesen sein, selbst die Sängerin, die mit tiefster Inbrunst fürchterlich schief singt, dreht sich ab und an um und schüttelt verständnislos den Kopf.
Chinesiche Männer bei einem seltsamen Brettspiel. Es herrscht absolute Stille, nur ab und an brechen Diskussionen aus der stoischen Ruhe hervor.
Langsam geht die Sonne unter, war wohl doch nichts mit kurzem Tag zum schonen.
Vor dem Rockefeller Center warte ich auf einige andere Teilnehmer, die sich auf der berühmten Spitze besagten Gebäudes einen Blick über ganz Manhattan genehmigen. 20 Dollar für den Spaß war mir dann doch zu viel.
Sehr schöne Schaufensterdeko!
Nachdem wir uns endlich alle zusammengefunden haben ist es mittlerweile 10 oder 11 und wir beschließen gemeinsam Essen zu gehen. Wo man hingeht wenn man schnell und billig seinen Magen befüllen will? Mc Donalds oder eine der unzähligen Pizzerias. Nachteile an letzteren: manche haben keine Toiletten, aber egal, wir alle sind so kaputt und wollen nur noch irgend etwas essen. Hier beim Warten mit Helen (links) und Johanna.
Nachdem wir unsere 2 XXL Pizzen mit den anderen 3 Jungs niedergemezelt haben, trotten wir müde und völlig kaputt nach Hause. Zum Arbeitsplatz hab ichs natürlich nicht geschafft, ja dann am Sonntag halt.

2 Kommentare:

  1. Ich versteh das mit den Mormonen irgendwie nicht. Was haben die Nasen der Sängerinnen mit deren Sekte zu tun? Soll das heißen, dass alle den selben Vater haben oder wie?

    Quaaak

    AntwortenLöschen
  2. Ja, genau das sollte es heißen. who's your daddy, you know ;o)

    AntwortenLöschen