Samstag, 6. Juni 2009

Welcome to New York!

Schon wieder! Obwohl erst gegen halb eins ins Bett gegangen - bin ich um 5 das erste Mal wach, aber ich bin wie schon gestern nicht die Einzige. Besser gehts...
mir immer noch nicht. Meine Halsschmerzen ziehen sich nun schon seit Dienstag hin, aber was soll ich machen. Zuhause bleiben kommt nicht in Frage und dick eingepackt geht das schon.
Heute steht der Besuch einer Grundschule in der Bronx an. Unser erstes Seminar von CDS. Wir werden ein oder zweimal die Woche Seminare bekommen mit Persönlichkeiten oder Aktivitäten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Heute also: Education.
Obwohl die Bronx gleich hinter unserem Haus beginnt, brauchen wir wieder ein Stunde dort hin per Bus und Metro. Die Dimension dieser Stadt ist wirklich überwältigend. Als hätte jemand Berlin fünf Mal aneinander gebaut. Die Bronx ist tatsächlich so wie man sich das vorstellt: viele kleine Einfamilienhäuser mit den typischen Treppenaufgängen und Vorgärten aneinander gereiht, Müll, Autowracks, Graffities und viele Schwarze. Ein bisschen mulmig ist uns schon, aber mit 21 Leuten im Rücken ist das schnell vergessen.
Bei der Public School 69 (kurz PS69) handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Schule sondern um ein Vorzeigeprojekt sondergleichen. Diese Grundschule hat sich in den letzten 6 Jahren um 180° gedreht dank eines außergewöhnlichen Schulleiters den wir gleich kennenlernen werden.
Dort angekommen müssen wir noch kurz am Treppenaufgang warten, weil man wohl etwas für uns vorbereitet hat. Wow - unsere Anspannung steigt immer mehr, vorallem als wir den Police Officer am Eingangspult sehen. Dort hat man extra für uns eine Willkommenstafel aufgestellt, die Kinder haben die Deutsche und Österreicher Flagge gemalt - wie süß.


Schon im Treppenhaus fällt uns auf das hier einiges anders ist, als wir es aus Kindertagen gewöhnt sind. Die Schule ist bunt gestrichen, die Wände sind über und über voll mit Zeichnungen, Gedichten, Plakaten und vielen anderen Dingen die von den Kindern gebastelt wurden. Auffällig sind auch die vielen Listen, die Schüler loben für besondere Leistungen, unter anderem eine Anwesenheitsliste. In Deustchland Usus, gibt es dort ein Lob für 100%ige Anwesenheit.
Wir werden in die neue Bibliothek geführt, der ganze Stolz der Schule. Darum hat man Jahre lang gekämpft, bis es endlich ermöglicht wurde. Wie man sieht wurde an nichts gespart: mehrere Mac Computer säumen die Fensterzeile.
Dort werden wir vom Schulleiter begrüßt und seinen Kollegen vorgestellt. Eine bunte Truppe, die erstaunlich locker ist. Von mehreren Lehrern und Sicherheitsbeamten werden wir während unserem späteren Rundgang mit "Yo, welcome to the Boogie Woogie Bronx" oder ähnlichem begrüßt. Doch bevor der Rundgang startet, führt man uns in die Aula. Dort stehen Mädchen und Jungen getrennt, zwischen den Stuhlreihen (wie unten auf dem Foto) und blicken uns an. Setzen sollen wir uns und schon spielt die Musik an. Viele von uns sind zu Tränen gerührt als die Kinder anfangen zu singen. Ich krame panisch nach einem Taschentuch kann aber keines finden und muss mich den Rest der Aufführung zusammenreißen, nicht im Tränenmehr zu versinken.
Das Lied ist eine Instrumental Version eines R&B songs und es geht darum an sich zu glauben um zu erreichen was man sich erträumt.
http://www.youtube.com/watch?v=rAYkmbhdum0&feature=related
Danach gehen einige Mädchen auf die Bühne und präsentieren eine Tanz- Gesangsnummer aus ihren Musical, was nächste Woche Uraufführung hat.
Endlich finde ich ein Taschentuch, da geht es auch schon weiter. In 6 Gruppen werden wir durchs Haus geführt. Hinter unserer ersten Tür erwartet uns eine 1. Klasse die gerade Geschichten schreiben übt. Man sagt uns wir können uns einfach zu ihnen setzen, sie seien daran gewöhnt. Ich fasse mir ein Herz und setze mich zu David und Kelly und frage von was ihre Geschichten handeln. Etwas eingeschüchtert schauen sie mich, die große blonde weiße Frau an und fangen an zu erzählen. David schreibt über einen Jungen, der sich 8 Dollar von seiner Mutter leiht um in der Bücherhandlung ein Buch zu kaufen, aber er verliert sie auf dem Weg. Ich frage ihn, wie die Geschichte ausgeht, aber das weiß er noch nicht so genau. So goldig!

Auf unsere Führung werden wir durch mehrere Klassen geführt, von den kleinsten angefangen bis hin zu den größeren in der 5 Klasse. Anders als bei uns wird nicht nach Alter kategorisiert sondern nach persönlicher Entwicklung, heißt die Kinder sind unterschiedlich alt.
Überall bietet sich uns das gleiche Bild. Kinder die in Gruppen um Tische sitzen oder auf einem Teppich vor dem Lehrer. Die Klassenräume sind bunt dekoriert mit Arbeiten der Kinder und besagten Listen. Jedes Zimmer hat ein oder meherer Mac Computer mit riesigem Flatscreen und zusätzlich ein sogenanntes smart board. Das ist ein Flatscreen auf den ein beliebiges Bild projeziert wird und dann kann man per Plastikstift darauf zeichnen. Die Striche werden dann digital abgebildet und könnnen ganz einfach per Schwamm gelöscht werden. Im Prinzip eine digitale Tafel. Dazu ein Bild weiter unten.
Manche Kinder sind schüchterner, andere widerum winken uns kichernd zu sich. Beinahe alle sind fotovernarrt und wollen uns vorlesen oder etwas erzählen.

Eine Pre-K Klasse. Pre-K bedeutet Vor-Kindergarten und kümmmert sich um die ganz kleinen. Dort wird meistens gespielt und herumgetobt.

Die familiäre Atmosphäre und wie sich um die Kinder gekümmert wird lässt uns dahin schmelzen. Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein wie wir später erfahren müssen.
Einen weißen mit orangenen Haaren, sowas sehen die Kinder nicht oft.
Das ist Dennis, aber ich soll ihn Den nennen. Er kommt sofort auf mich zu und will mir aus seinem Spider Man Comic vorlesen. Er ist nicht zu bremsen, allerdings hat er Schwierigkeiten mit einigen Wörtern. Witzig - ich muss ihm einige Wörter vorsprechen.

Die Schulspeisung.
Hier kommen wir in eine 4. Klasse. Die Kinder sind nicht zu stoppen, unentwegt wollen sie mit den Menschen aus dem weit entfernten Land fotografiert werden.
Eine von ihnen macht es ganz geschickt, fragt mich freundlich ob sie mich mit den anderen fotografieren soll und schnappt sich kurzerhand meine Kamera für einen Streifzug durch den Klassenraum.
Natürlich will sie auch mit mir fotografiert werden, fairer Weise knie ich mich hin ;o).

Die Mädchen finden meine Haare cool und wollen sie anfassen, am witzigesten finden sie meinen LEGO Ohrring.
Die Kunstleherein hat mit den Kindern Schilder gebastelt zum Werben und Bejubeln für die bevorstehende Musicalaufführung.
Besagtes smartboard

Überall sind wir herzlich willkommen. Einige Klassen sagen sogar im Chor : Guten Tag. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, aber auch das Entsetzen ist nicht weit entfernt. In einer 4. Klasse wird über einen Zeitungsartikel gesprochen. Eine 17 jährige habe die Katze ihrer Rivalin in den Ofen gesteckt. Die Kinder sollen nun erzählen wie sich fühlen und ob sie auch schon mal so eine Ungerechtigkeit erfahren haben. Ein kleiner Junge beginnt von einem Streit zwischen Schwester und Mutter zu erzählen. Die Mutter wollte nicht einsehen, dass sie im Unrecht wahr und trat ihrer Tochter mehrere Male ins Gesicht. Ein anderer Junge berichtete von einem Streit zwischen seinen Eltern, wie sie sich gegenseitig schlugen und das alles vor seinen Augen. Wieder standen uns die Tränen in den Augen. Doch die Lehrerin bewahrt die Fassung, sie kennt wohl solche Geschichten zur genüge und erklärt den Kindern, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung sei.
Nun verstehe ich die 100% Attendance Lobliste.
Wie wir beim gemeinsamen Mittagessen vom Schulleiter erfahren ist die Grundschule noch vor 6 Jahren etwa das gewesen, was wir aus dem Film Gansgters Paradise kennen. Und obwohl noch heute viele Kinder aus grausamen Verhältnissen kommen, hat sich Dank der verwandelten Schule ein Großteil des Viertels verändert. Sogar die Grundstückspreise sein gestiegen.
Tausendmal bedanken wir uns.
Nun sind wir wirklich angekommen: Welcome to New York!

Von der Schule aus, gehen wir nun zum nächst gelegenen T-Mobile Store. Dort wollen wir uns nämlich alle ein Prepaid Handy besorgen um endlich erreichbar zu sein. Außerdem kann man anders als bei uns kostenlos ins eigene Netz telefonieren - Super, vielleicht springt für 16 Mann sogar ein Rabatt raus. Über eine Stunde beschäftigen wir den ganzen Laden, die Verkäufer sind sichtlich überfordert ;o). Leider gibts kein Rabatt, aber nun haben wir alle was wir wollten und können uns von unterwegs anrufen.
Im stürmenden Regen irren wir kurz durch die Bronx auf der Suche nach einer Metrostation. Deutsch wie wir sind warten wir bibbernd und durchnässt auf einem Haufen an jeder Fussgängerampel. Ein alter Man trotted bei rot gemütlich über die Straße an uns vorbei und muss lachen... jaja, die weißen Touristen ;o).
Der Tag endet am Billiardtisch im Haus, nun bin ich auch noch heiser und mein Hals kratzt um so mehr. Aber morgen können wir endlich mal ausschlafen.

1 Kommentar:

  1. Ich wollte auch mit !!!! Sind die soooo süüüüß!
    Maxi, ab Dienstag muss ich wieder früh aufstehen - aba ich denke, mit dem skypen früh das wird nix, weil Du besser so lange schlafen solltest, wies irgendwie geht. Wir sich schon einpegeln, dass Du nicht immer um 5 schon wach bist.
    Ich drück Dich 1000 Mal und knutsch Dich übern Ozean :=))) Deine Mama

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