Mit Jenny mach ich mich wieder auf den Weg. Dieses Mal haben mich diese Biester sogar ins Gesicht gestochen, nachdem sie gestern schon...
meine Hände malträtiert hatten. Wir sind wieder zu früh da, sodass ich beschließe auch mal mit dem Vaporetto zu fahren. Die Fähren fassen so ca. 300 Leute und fahren entweder durch den Canale Grande oder um die Stadt herum. Wir erwischen ausgerechnet den Express, sodass ich erst zwei Stationen später an der Rialto Brücke aussteigen kann. Na prima, nur noch 10 Minuten bis Arbeitsbeginn! Ich nehme die Beine in die Hand und versuche mich so wenig wie möglich zu verlaufen. Trotzdem komme ich 15 Minuten zu spät, aber die Kollegen nehmen’s gelassen. Mit Mohamed mache ich weiter die Knopflöcher als ein Mann von der oberen Etage kommt und uns Praktikanten eine Frage stellt, die ich nicht verstehe. Irgendwie will er, dass ihm jemand bei irgendetwas hilft. Die anderen Praktikantinnen schauen in mehr ängstlich als alles andere an, keine reagiert. Er ist schon fast auf dem Rückweg, als mir eine Kollegin auf Englisch übersetzt was er wollte. Wat? Schnitte und so? Bin ich dabei! Ich springe ihm hinterher und stelle mich gegenüber an den großen Tisch im Nähsaal. Auf Ausländeritalienisch erklärt er mir, dass ich von 10 Schnitten jeweils 2 Schnittteile durchkopieren soll. Nun ja, nicht gerade anspruchsvolle Aufgabe, aber immerhin schon mal was zum gucken. Kleidung für Theater und Oper wird nämlich völlig anders verarbeitet. Das ist mir damals schon in New York aufgefallen. Während der Arbeit fragt er mich, wo ich her komme. So so, aus Berlin. Da wird Stiven, der Modellmacher, plötzlich hellhörig. Ob es gute Jobangebote in Berlin gäbe und wie man bei mir in Deutschland verdienen würde. Später am Nachmittag bekomme ich von Jenny eine SMS, dass es an Markusplatz Hochwasser (=Aqua Alta) gegeben hätte und das sie beinahe nicht zur Arbeit gekommen wäre. Krass, davon hab ich überhaupt nichts mitbekommen. Beim längeren Nachdenken fällt mir allerdings ein, dass das Wasser in dem Kanal vor dem Atelier höher aussah als sonst. Als ich nach dem Feierabend raus komme ist es sogar niedriger als sonst. Die unteren 2 Stufen sind freigelegt und sehen aus als hätte sie jemand mit Blattspinat garniert. Madlen erzählt mir beim Abendessen, dass sie nur barfuss auf Arbeit gekommen wäre, worauf hin ihre Chefin einen halben Anfall bekommen hätte. Um Himmels Willen niemals barfuss durch das Hochwasser laufen. Darin schwimmt nämlich auch die Kloake Venedigs. Das Hochwasser kommt meistens in den frühen Morgenstunden und bleibt für ca. zwei Stunden. Von den anderen Praktikantinnen weiß ich, dass es dieses Jahr noch nicht so schlimm war. Aber die gefährlichen Monate stehen uns auch noch bevor. Ausgerechnet von Oktober bis Dezember ist die Saison. Nach einer Runde mit dem Räucherstäbchen lassen wir den Abend gemütlich am Küchentisch ausklingen. Dieses Mal war ich dran mit kochen und es gab Spinat mit Kartoffeln und Ei. Leider konnte ich im Supermarkt keinen Spinat wie wir ihn kennen finden, deswegen musste Blattspinat herhalten. Heute traue ich mich wieder in meinem Zimmer zu schlafen, habe extra wieder alle Wände abgesucht und sogar noch eine Mücke getötet. Als im Bett liege werde ich allerdings eines besseren belehrt. Egal, schlafen jetzt.
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