Sonntag, 10. Oktober 2010

Umzug auf Italienisch

Punkt 8.30, wir stehen geschniegelt an der Rezeption, da blickt plötzlich der Hausverwaltungstyp durch die Glastüre. Antonio könne nicht...
kommen, da seine Tochter Geburtstag habe. Er würde uns nun fahren in seinem kleinen VW. Jenny und ich schauen uns etwas ratlos an. Wie soll das denn gehen? 3 Mädchen und Gepäck für 3 Monate in einem VW Golf? Wir versuchen halb Italienisch und halb Englisch zu erklären was unser Problem sei und einigen uns darauf, dass er nun zweimal fahren muss. Wir zwei packen unser Hab und Gut in seinen Kofferraum und auf geht’s. Vor unserer neuen Tür steht dann plötzlich Antonio. Warum wissen wir nicht, aber mittlerweile können wir nur noch darüber grinsen. Nunja, so ist das nun mal in Italien. Uns gehört die untere linke Etage.

Die Zimmeraufteilung hatten wir schon am Vorabend gemacht deshalb geht unser Bezug ziemlich fix.




Allerdings trifft mich der Schlag als ich in mein Zimmer komme. Der unangenehme Geruch ist zwar weg, allerdings kommt mir eine Chlorwolke sondergleichen entgegen. Nachdem die Schlüsselübergabe gelaufen ist, beschließen wir einkaufen zu gehen. Viel Zeit bleibt uns nicht, da Jenny und ich den Auftrag bekommen haben zwei Beauftragte vom TÜV vom Flughafen abzuholen. Die zwei Damen kämen um nach dem rechten zu schauen und die weitere Planung zu besprechen. Mit einem Koffer bewaffnet machen wir uns auf den Weg zum Großeinkauf. Der Supermarkt ist eine kleine Welt für sich. Wie kleine Kinder hüpfen wir durchs samstägliche Mittagsgedränge und freuen uns über die kuriosen Sachen hier. Die Fischtheke hällt Tiere bereit, die ich noch nie gesehen habe, an der Fleischtheke muss man eine Nummer ziehen und das Mozarella Angebot zieht sich über mehrere Fächer. Es gibt auch „Würstel“, also Würstchen zu kaufen. An der Obsttheke liegen Einweghandschuhe bereit, hier fäßt niemand etwas mit bloßen Händen an. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus aber wir müssen uns beeilen. Mit zwei vollen Einkaufswagen fahren wir zur Kasse. Dort macht die Kassenklappe jedes Mal das Katsching-Geräusch wie bei einem Spielautomaten. Lustig! Wir beschließen mit einem Einkaufswagen nach Hause zu laufen, da wir den ganzen Kram niemals in Tüten tragen könnten. Jenny und ich helfen Madlen noch alles in die Küche zu tragen, dann geht’s auf zum Flughafen. Wir wissen weder wo genau die beiden rauskommen, noch wo genau das Hotel ist, in dem sie wohnen, noch wie wir da eigentlich hin kommen. Aber egal, wird schon klappen. Mit zwanzig minütiger Verspätung treffen wir am Gate ein und finden die beiden recht schnell. Auch die Suche nach dem Hotel gestaltet sich weniger aufwendig. Dazu muss man wissen, dass weder in Bussen noch in Vaporettos (Wasserbusse) Haltestellen angesagt werden. Man muss halt einfach wissen wo man hin will. Mit den beiden Frauen fahren wir dann in unsere Wohnung, dort will Madlen nämlich Mittagessen machen. Angesichts der Tatsache, dass sie panische Angst vor Gasherden hat, zweifeln wir allerdings ob es wirklich etwas geben wird. Zum Glück sind Björn und Phillip vorher auf einen Abstecher vorbeigekommen und haben ihr geholfen. Die Jungs wohnen nur zwei Querstraßen entfernt. Die zwei Damen vom TÜV, mit denen wir uns bereits auf das du geeinigt hatten, gehen kurzerhand auch in den Supermarkt und essen dann mit uns. Zur Feier des Tages wird sogar eine Sektflasche geköpft. Doch die Freude währt nicht lange. Gestern noch wurde uns versprochen, dass eine Putzfrau die Wohnung vor unserem Einzug reinigen würde, aber bis auf das Chlormassaker scheint nicht viel passiert zu sein. An den Griffen in der Küche bleibt man regelrecht kleben und die Duschkabine sieht aus wie als hätte zuletzt eine Truppe Bergbauarbeiter darin geduscht. Doch bevor uns das ganze Ausmaß klar wird, heißt es erst einmal wichtige Wege erledigen. Ich muss in die Stadt um das Problem mit meinem Handy zu klären, welches die Italienische SIM Karte einfach nicht erkennen will und es müssen dringend neue Schuhe her. Veneto, die Region um Venedig, ist eine der wirtschaftsstärksten in ganz Italien. Vergleichbar mit Bayern, dementsprechend wohlständig sind die Bewohner. Das sieht man natürlich auch an ihrer Kleidung. Prada, Fendi, Gucci, Dolce&Gabbana – alles Standartausstattung bei vielen Passanten. Umso pikierter schauen sie auf meine weißen, zerlatschten Sneakers. So langsam schäme ich mich. Im Handyladen erklärt man mir, dass die SIM Karte nur mit UMTS Handys funktionieren würde. Hm, dumm gelaufen, mache mir allerdings erstmal keine weiteren Gedanken darüber. Weiter geht’s um nach günstigen Schuhen zu schauen. Die Stadt ist voll, nicht zuletzt weil eine Art Volksfest in Mestre ist. Es gibt viele kleine überdachte Stände, die jeweils eine Nation in Europa repräsentieren. Es gibt auch Deutsche Stände mit Würstel und Brezen zu unverschämten Preisen. Etwas weiter davon entfernt am Rande der Shoppingmeile finde ich einen kleinen 1€ Shop, in dem ich Schnickschnack für die Wohnung kaufe. Beim Bezahlen an der Kasse krame ich in meinem Portemonnaie nach Kleingeld als der Kassierer plötzlich die Summe auf Deutsch wiederholt. Mein Blick wandert ungläubig von den 2 cent Stücken in sein Gesicht, während dessen ich mich frage, ob ich gerade richtig gehört habe. Der kleine, rundliche Mann fragt grinsend ob ich Deutsch wäre. Völlig entrüstet frage ich, woher er das wüsste. Er lacht und meint in seinem gebrochenem Deutsch das man das einfach sehen würde, Kleidung, Gesicht und so. Gibt’s doch nicht, denk ich so. Er erzählt mir, das er 10 Jahre in den verschiedensten Städten unserer Bundesrepublik gearbeitet hätte und das deshalb so schnell erkennen würde. Ich frage ihn wo es günstige Schuhe zu kaufen gibt, da springt er hinter seiner Kasse hervor, nimmt mich am Arm raus aus seinem Laden auf die andere Straßenseite und erklärt mir den Weg zu einem Geschäft. Danach solle ich aber wiederkommen, meint er grinsend. Na klar komme ich wieder, aber nicht heute, entgegne ich. Er lacht, Küsschen rechts, Küsschen links, Ciao Bella. Das Schuhgeschäft ist tatsächlich nett, aber entschließen kann ich mich nicht. Mir fallen fast die Füße ab also mach ich mich im Hereinbrechen der Dunkelheit auf den Heimweg. Zu Hause schauen mich durch die Tür zur Küche zwei entnervte Augen an. Es sind Jennys, die seit Stunden versucht den Knies vom Kücheninventar zu kratzen. Es klebt überall, an den Türgriffen, Tellern, Tassen, am Besteck… einfach überall. Der Chlorgeruch ist immer noch da, obwohl ich das Fenster aufgerissen habe. Ich helfe Jenny noch beim Abtrocknen bevor ich mich ins Bett lege. Da die Nacht davor nicht wirklich erholsam war und ich heute in den Popcorn Club gehen will, muss ich mir noch ein kleines Nickerchen gönnen. Diesen Club habe ich durch Zufall im Internet vor 3 Wochen entdeckt und nun voller Freude festgestellt, dass er 15 Minuten Laufweg von unserem Casa rossa ist. Madlen will auch unbedingt mit. Kurz vor eins machen wir uns auf den Weg, als Tabea und Jenny gerade ins Bett gehen. Der Club ist in einem Innehof einer Industrieanlage gleich neben der Schnellstraßenbrücke. Zwischen den Pfeilern parken die Autos der Partywütigen. Die Musik dröhnt uns schon entgegen, als wir auf die Kassenschlange zulaufen. Die Menschen um uns kommen mir vertraut vor. Madlen meint, ob wir nicht jemanden fragen sollen, wie viel der Eintritt kostet. Gesagt, getan. Das Mädchen vor mir antwortet: „Quindici“ Wow, 15 Latten, damit hätte ich nun nicht gerechnet. Wir stellen uns kurz zur Seite für eine Zigarettenberatungsrunde und entscheiden uns den Spaß aufzuheben wenn wir fit sind. Mir tun nämlich immer noch die Beine weh und das Nickerchen hat’s auch nicht gebracht. Aber ich bin guter Dinge und freue mich aufs nächste Wochenende.

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