Montag, 13. Juli 2009

Stell dir vor da drüben beginnt die Zukunft, aber keiner geht hin!

Anders als die letzten Tage reißt mich mein Wecker auf brachialste Weise aus dem Schlaf. Was, jetzt aufstehen? No way! Eine Stunde später gegen...
13.30 Uhr schäl ich mich aus dem Bett und husche noch schnell mit Johanna in die Kantine bevor diese schließt. Wir essen gemütlichst in ihrem Zimmer mit der wunderbaren Aussicht auf die sonnige Bronx. Dann werden wie immer als erstes die mails gecheckt... oh fuck! Gottverdammter Mist, verf***te Dreckspisse - ich hab den Geburtstag meiner Mutter verplant. Oh man, sowas ist mir ja noch nie passiert. Ich meine, sie wirds mit Fassung tragen, aber mein lieber Herr Gesangsverein! Da mein Festnetztelefon seit ner Woche nicht mehr funktioniert und unsere Prepaid SIM Karten keine internationalen Anrufe zulassen, muss ich schnell zum Boris. Ok cool, sie lacht und sagt nur: Ach halt die Klappe, wie gehts dir?
Nach dem Telefonat will ich mich beeilen, schließlich ist das mein letzter Sonntag im Big Apple und wir habens schon 15.00 Uhr. Doch irgendwas hällt auf. Eine gewisse Lethargie verfolgt mich schon seitdem ich das erste Augen offen hatte. Dann kommt er, plötzlich und heftig, der erste Tränenausbruch. Die Erlebnisse der letzten Wochen summieren sich gerade in diesem Moment zu einer Wucht, die mich in die Knie zwingt. Ich ringe nach Luft, dort unten auf dem Boden meines Zimmers. Die verbleibenden paar Tage sind gerade zu einer Galgenfrist geworden. Dabei ist es nicht so, dass ich in NYC den perfekten Platz für mich sehe, sondern viel mehr die Angst vor der Rückkehr in eine Zukunft, die schon vor NYC nicht das gelbe vom Ei war. So vieles hatt sich verändert, der Horizont um ein vielfaches erweitert, die einstige Bequemlichkeit kommt einem geradezu wie eine einzige Farce vor. Wie soll es nun weitergehen? Alle Türen stehen mir mit meiner außergewöhnlichen Qualifikation und dem Jobtraining offen, doch welche kann mir versprechen eine gute Wahl zu sein. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, was mich auf eines der größten Probleme unserer Generation stoßen lässt. Nämlich: Was machen wir denn jetzt mit dem angebrochenem Leben? Wir haben die freie Wahl, aber so vermeintlich toll ist das gar nicht. Der Druck für uns selber die beste Entscheidung zu treffen aus tausenden Möglichkeiten mit abertausenden Meinung, Tipps und Ratschlägen, macht die Lebensplanung zu einem niemals endendem Schiffe versenken. Mal ganz abgesehen davon: Wenn nichts mehr so unvorstellbar ist, das man dafür kämpfen bräuchte, welchen ideelen Wert hatt es dann noch? Aber das ist ein anderes Thema und würde die Dimension des Blogs sprengen. Auf jeden Fall muss ich nach einer tränenreichen Stunde erstmal eine Rauchen. Mit meinen verquollen Augen steh ich in Helens Tür und frage nach Feuer. Sie ist momentan krank - Mandelentzündung. Entzückend! Wir beschließen nächste Woche unsere alten Leben für nen Fünfer an der nächsten Ecke zu verkaufen um uns mit dem hiesigen Hab und Gut aus dem Staub zu machen. Wär doch was. Doch so einfach wie damals mit der Taschenlampe unter der Bettdecke ist es leider nicht, das ist uns klar. Momentan ist mir gar nicht danach auf die Wrap Party zu gehen. "Du spinnst wohl, das willst du dir entegehen lassen?" Hast ja Recht, Helen. Ich geh halt hin.
Mit Johanna schaff ich es endlich 18.30 das Haus zu verlassen. Die Jungs sind auf dem angrenzenden Parkgelände und spielen Frisbee. Wir werten den gestrigen Abend aus und erklären Daniel was alles passiert ist. Nun gehts mir schon besser. Von dort aus mache ich mich auf den Weg nach Tribeca zu der Wrap Party. Ich weiß nicht ob ich es schon erwähnt hatte, deswegen nochmal kurz zur Erklärung: Das komplette Team des Films feiert den Abschluss der Dreharbeiten. "Wrap" heißt soviel wie einwickeln, einpacken und kann in diesem Sinne wie unser "in Sack und Tüten" übersetzt werden.
Mehrere Türsteher stehen vor dem Eingang, von außen wirkt das eher wie ein Restaurant. Man hatte mir ja schon gesagt, dass es etwas zu essen und trinken geben wird. Es soll auch getanzt werden. Na da bin ich ja mal gespannt. Meine Name wird von der Liste gestrichen und eine schwere eiserne Tür öffnet sich. Durch einen schmalen Korridor laufe ich der lauten Musik entgegen. Hinter dem Vorhang dann wieder ein vertrauter Prozess: Versteinern, in Zeitlupe mit großen Augen umsehen, Unterkiefer wieder einfahren, die Mundwinkel bewegen sich in Richtung Ohrläppchen und dann plötzliches Lachen während man ungläubig den Kopf schüttelt.
Der Club ist schon voll als ich gegen 21.00 Uhr dort eintreffe. Den DJ erkenne ich sofort wieder, es ist der Serato Nerd aus dem Marquee, wow! Modellähnliche Frauen laufen mit Tabletts mit kleinen Appetizern herum, von der Decke funkeln tropfenförmige Glasstäbe, die Wände werden mit LED Lämpchen zum Glühen gebracht. Jetzt erst mal die Anderen suchen. Am anderen Ende des Clubs entdecke ich hoch über meinem Kopf die VIP Glaskabine, in der auch Nicolas Cage sitzt. Kurz davor gehts eine Treppe hinab. Dort unten ist ein weiterer Floor, auf dem ich auch eine Hälfte meines Teams treffe.
Alex, Brittany, Charlotte und Patrick:Wieviel hatt denn so ein Drink gekostet, frage ich. Na nix, alles for free! Oh man! Gut dann erst mal nen Red Bull. Mit dem erkunde ich die komplette Location, traue mich die ersten Fotos zu machen und lande neben dem DJ Pult. Dort tippt mir der Bär von Securitymann auf die Schulter - oh darf ich hier nicht stehen? Haha, achso, er posiert für meine Kamera. Ich frage ihn ob er Spaß hat und er meint lachend, ja man, das sei irre. Da hat er recht!Ich mische mich wieder unter mein Team und unterhalte mich ein wenig, aber irgendwie will ich wieder da hoch. Mit einem Glas Wasser mach ich mich nach oben und siehe da, das Buffet wird gerade aufgebaut. Hänchen, Nudeln, Bratkartoffeln und glasiertes Gemüse. Ich greife zu und setze mich um die Szenerie zu beobachten. Einige erkenne ich vom Set wieder, auch den Regiseur und Kameramann. Danach will ich dann mal rauchen gehen. Wie ich so draußen stehe und verzückt auf den abendlichen New Yorker Verkehr starre, bemerke ich plötzlich viele Leute neben mir an der Tür. Oh mein Gott, er verlässt den Club. Ich sehe Einige mit Kameras, die sich mit ihm fotografieren lassen. Los jetzt, deine Chance, scheiß auf die Kippe, ab gehts. Eine andere Frau bedankt sich gerade da stell ich mich an und frage: "Ähm, would you mind (deute auf die Kamera)?". Es kommt nur ein kurzes No und er stellt sich neben mir auf, während ich einem seiner Fahrer die Kamera in die Hand drücke. Der drückt ab und nach meinem Thank you ist Nick auch schon weg. Zurück im Club erzähl ich ganz hibbelig den anderen davon, die merkwürdiger Weise total drauf abgehen. Alle wollen das Bild sehen und könnens kaum glauben. Ist halt doch nicht alles so selbstverständlich und obercool wie man meint.Kurze Zeit später finde ich auf dem oberen Floor auch den anderen Rest meines Teams.
Michael und Maryan, die beiden Kostümdesigner des Films.
Megan und ihr Verlobter. Sie hatt die Kleidung auf alt getrimmt.
David, Donna und ich. Die beiden sind die Kostüm Supervisor des Films.
David mit seinem Freund.Donna mit ihrem VerlobtenBald darauf wird über die großen LCD Leinwände eine Art vorläufiger Trailer abgespielt. Erste Szenen, Making Of Material, Kommentare von Schauspielern, dem Produzenten, der Crew und natürlich Outtakes. Wie gebannt blickt alles auf die Leinwände und lacht laut, vorallem bei den frechen Kommentaren des zweiten Hauptdarstellers. Das ganze sieht nach einem dieser typischen bildgewaltigen Disney Machwerke aus. Mit viel Action und Effekten. Hammer!
Am Ende wird applaudiert und gejubelt, dann setzt auch schon die Musik ein. Einige fangen nun an zu tanzen und mit steigendem Alkoholpegel kommt die Party erst so richtig in Gang. Da Nick nun weg ist, kann man auch in den VIP Bereich, von wo aus ich ein paar coole Shots mache.




Mit meinen Mädels bin im am Tanzen und Rumalbern, 2 Sekt hab ich auch schon drin, es ist mal wieder unglaublich beeindruckend vorallem wenn man bedenkt wie der Tag begann.
Ich rechne mir die Zeit aus, wieviel Zeit zum Schlafen bleibt und entschließe mich gegen 24.00 zu gehen. Da bin ich nicht die einzige, es wird immer leerer und viele verabschieden sich bzw. lassen sich zum Taxi tragen ;o). Ich gehe zur Tür, doch da komm ich nicht durch, ziemlich viele Leute kommen gerade rein und gehen die Treppen hinab auf den zweiten Floor. Warte mal, die Jungs sind doch schwul und haben sogar ziemlich geile Outfits an. Die muss ich noch kurz fotografieren und laufe der bunten Truppe hinterher. Da unten läuft mittlerweile ganz andere Musik als oben und die Leute sehen auch ganz anders aus. Achso, dann haben die hier unten jetzt ne andere Veranstaltung. Ich fotografiere einige von ihnen, fragen brauch ich nicht mehr. Schon da oben hatt mich die Hälfte für die Partyfotografin gehalten ;o). Keine 10 Minuten später bemerke ich, dass die alle die Treppe da hinten wieder hochgehen. Hä, aber da ist doch noch unsere Party??? Ich laufe hinterher und traue meinen Augen kaum. Innerhalb dieser kurzen Zeit hat sich der Floor aufeinmal mit hunderten Schwulen, Trannys und anderen verrückten Vögeln gefüllt. Es läuft super geile Maximal Mucke und die Haute Volée NYC's ist am rocken. Meine innere Stimme und ich sind uns, wie des Öfteren, einig: Tja Maxi, das tut mir jetzt leid, aber hier kannst du jetzt nicht einfach gehen. Stell dich doch einfach da vorn nahe des Eingangs mit auf die Sofas und feier als gäbe es kein Morgen. Ok, mach ich. Danke Maxi. Gern geschehen, Maxi.
Hier einige Impressionen:


















Ich sehe auch einige Gesichter wieder, die sich von der Transvestieten Party mit Jordan eingeprägt hatten. Irre, die Stimmung ist der Hammer, ständig werden die Arme in die Luft geworfen, dabei ist doch Sonntag! Mist, jetzt haben wirs schon um 2 Uhr, was meinst du Maxi? Wir sollten gehen, nicht wahr? Ja sollten wir, komm! Aber warte, guck dir die halbnackte Frau da vorn am Eingang an, los mach Foto. Ja man, ich mach ja schon.
Auf dem nach Hause Weg schreibe ich in der U-Bahn schon die ersten Notizen für den Blog. Da ist schon wieder zu viel in meinem Kopf was raus muss, zumal dieser Tag echt extrem war. Zuhause noch schnell das Nicolas Cage Foto hochgeladen und dann schlafen. Jetzt Maxi!

2 Kommentare:

  1. Dein Schreibstil wird immer besser :=)), ganz abgesehen von den Gedanken, die Du hier veröffentlichst - in besseren sprachlichen Bildern kann man sie nicht ausdrücken - um es vorweg zu nehmen: ich glaube, Du musst ein Buch daraus machen. Ernst!
    Sachliche Richtigstellung
    (für alle Mitleser:=)):
    ich sagte: "Ich wusste, dass Du durch die Zeitverschiebung durcheinander kommst und erst zwei Tage später anrufst."
    PS: bei dieser Rechnung hatte ich (schon mal so'n bissel) einkalkuliert, dass Du's vergisst *hihi
    Drück Dich
    Mamam

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  2. Der Meinung deiner Mutter können wir uns nur anschliessen.Dein Schreibstil zieht uns in unseren Bann.Du hast unglaubliches Talent zum Schreiben.Solltest Du in Deinem Traumberuf nicht Fuss fassen,kannst Du immer noch Bücher schreiben.Wir sind jetzt schon traurig,daß deine Zeit in NYC zu Ende geht und wir nur noch wenige Deiner Blogs lesen dürfen.

    Bernhard u.Martina

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