Mittwoch, 1. Juli 2009

Keine Ahnung was ich da will

Alright, ob ich Nicolas Cage getroffen habe?
JA, HABE ICH!!!
Aber von vorne ;o)...

Die Adresse für den Dreh habe ich erst am Vorabend erfahren und so mache ich Montag morgens auf den Weg ins Financial District an der Südspitze von Manhattan. Ich hab absolut keine Ahnung was auf mich zu kommt... Als erstes endecke ich den Catering Wagen vor dem Gebäude in dem die Gaderobe ist. Dort steht Frühstück für jeden Geschmack (also den amerikanischen) z.B. Rührei, Waffeln mit Kompott, Pommes, Würstchen, Salate, Smoothies, Sandwiches, Chips und allerlei anderes. In dem Hochaus hatt man das Erdgeschoss angemietet, das anscheindend gerade saniert wird. Wir stehen auf Betonboden und die Kabel hängen von der Decke. Eine Klimaanlage gibt es nicht, sehr zum Ärger aller Beteiligten. Anfangs muss ich darüber schmunzeln, später steht mir selbst der Schweiß auf der Stirn. Für die Background Darsteller hat man Tische und Stühle aufgestellt, die Maske und Kleiderständer stehen im hinteren Teil des großen Raumes. Noch ist nicht viel los und ich bedien mich draußen in der Sonne am Bufett. Das könnte im Prinzip auch jeder andere tun. Keiner guckt hier, ob man mit zur Crew gehört und auch in die Gaderobe kann ich einfach hinein spatzieren. Nach und nach füllt sich der Raum mit den ersten indischen Darstellern. Heute wird eine Szene im Indien des 18. Jahrhunderts gedreht. Dafür hatte ich letzte Woche einige Kostüme gebügelt und abgedämpft. Man hatt uns Anziehhilfen im Vorfeld erklärt wie man einen Sari (Tracht für indische Frauen) oder den Dothi (Hose für Männer) wickelt. Dann kanns eigentlich auch schon losgehen. Zuerst schaue ich Tina ein paar Mal über die Schulter und dann bin ich dran. Ich stell mich gar nicht mal so dumm an. Da es weniger weibliche als männliche Dartseller gibt, geht es ziemlich fix und manche Frauen machen es auch einfach selbst. Viele sind ja indisch. Also werde ich zu den Männern geschickt. Manche genieren sich schon etwas beim Ausziehen vor der großen, jungen blonden Frau in den kurzen Jeans ;o). Auch hier knote, wickel und drapiere ich die Hosen und sogar Turbane. Die sind ein heikles Thema, Michael gefallen längst nicht alle. Nach dem Umziehen kommen die Akteure dann in die Maske. Viel ist nicht zu machen, alle sollen authentisch aussehen. Dafür haben sich die Maskenbildner schon vorbereitet. Den Frauen malt man den charakteristischen roten Punkt auf die Stirn und bei den Männern werden falsche Bärte angeklebt. Im ganzen Raum riecht es nach Babyöl was in Gelform auf die Haut geschmiert wird, damit es nach Schweiß aussieht. Auch Staub wird aufgetupft um harte Arbeit erkenntlich zu machen. Dann kanns gruppenweise losgehen. In voller Montur, was bei manchen nur eine Hose und ein Turban ist, laufen sie 2 Blocks weiter zum Filmset, vorbei an staunenden Bankern und Touristen. Den indischen Marktplatz hat man in einer pompösen Eingangshalle des Firmensitzes einer alten Überseehandelsgesellschaft aufgebaut. Die Decke ist extrem hoch und gigantisch mit dem riesigen Gemälde und wunderschönem Stuck. (Eigentlich darf ich nicht fotografieren, aber das muss festgehalten werden. Auch die Darsteller können es sich nicht verkneifen, sich gegenseitig oder das Set zu knipsen.)Sie lenckt fast ein wenig ab von dem kleinen Marktplatz unter ihr, der echter nicht sein könnte. Pflanzen, Bäume, Hütten, Kochstellen, eine indische Kuh, Hühner, Ziegen, bunte Vögel in Käfigen, Tücher, Stoffe, Gewürze, Sandboden und vorallem die Gerüche der Duftstäbe überall. Wahnsinn, mit offenem Mund und staunenden Augen erkunde ich das Set. Immer wieder an diesem Tag muss ich plötzlich anfangen zu kichern, bei dem Gedanken wie absurd das alles eigentlich ist. Da bin ich die 4. Woche in New York und schon arbeite ich an einem Film mit Jon Turteltaub, dem Regisseur, der Während du schliefst, The Kid und Das Vermächtnis der Tempelritter gemacht hat sowie Jerry Bruckheimer, dem Produzenten, der uns Filme wie Beverly Hills Cop, Dangerous Minds, Pearl Harbour und Fluch der Karibik geschenkt hat. Und dann steht er da einfach: Nicolas Cage in echt. Wahnsinn, nur ein paar Meter entfernt lässt er sich von meinen Kollegen den Mantel staubig machen. Natürlich gehe ich hin und versuche beschäftigt auszusehen. So groß ist er gar nicht und seine Nase auch nicht. Aber den charakteristischen Blick wie im Film, den hat er. Den ganzen Tag lang. Dann muss er kurz Probestehen vor der Kamera die an einem Kran hängt. Ich schleiche mich hinter Jerry Bruckheimers kleinen Videomonitor um zu gucken, wie das in diesem Kasten aussieht. Tatsächlich, wie im Kino und das obwohls noch gar nicht nachbearbeitet ist. Da steh ich nun, vor mir Hollywood, in mir Sprachlosigkeit und Begeisterung. Plötzlich passiert etwas ganz komsiches, was ich mir anfangs nicht erklären kann: mir kommen die Tränen. Auch jetzt wieder beim Schreiben. Ich kanns einfach nicht fassen, dass ich tatsächlich hier stehe nur weil ich am richtigen Tag, zur richtigen Person, den richtigen Satz gesagt habe. Bis zur Tür kann ichs mir noch verkneifen, dann brichts aus mir heraus. Ich heule den ganzen Weg zur Garderobe um... keine Ahnung was ich da will, ich muss erstmal weg vom Set. Das ist jetzt einfach zu viel für meine ohnehin schon reizüberfluteten Nerven.
Aber der Rest des Tages wird wunderbar und wieder Mal total verrückt. Damit muss ich leider später fortfahren, da ich jetzt ins Bett muss. Echt jetzt! Kein Quatsch, ich muss wirklich. Aber ich schwöre, bald den Rest zu posten.

2 Kommentare:

  1. bin aus Meißen (Fortbildung gemacht) zurück - na bei Dir iz ja was los - hab jez erstmal alles gelesen - ich sprech Dich wohl dann mit C an? *hihi
    Bleib gesund die 19 Tage!!!
    Knutsch di - dy Mom

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  2. Äh, was heißt denn "mit C ansprechen"?

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