ab in die U-Bahn. Die Müdigkeit wird schon bald von Aufregung abgelöst - was passiert da heute, was muss ich machen, wen treffe ich, Nicolas Cage vielleicht? In Brooklyn muss ich noch ein Stück mit dem Bus fahren, wenn er denn kommen würde. Über eine viertel Stunde warten ich und andere Fahrgäste auf den Verspäteten - puh, da kommt er endlich und ich bin gerade noch so pünktlich. Das Gelände auf das ich muss ist irsinnig groß, es war im Besitz der Navy (Marine) und wird nun für alles mögliche genutzt. Unter anderem als Filmstudio. Eine der Kostümbereiche befindet sich gleich am Eingang in einer Art kleinen Flugzeughalle. Dort drinnen treffe ich auf Donna, die Freundin von Rosi. Sie stellt mir einige Leute vor und gibt mich ab an Tina, eine kleine Hispanierin. In der Halle befinet sich, durch Wände abgtrennt, der Nähbereich, 2 Anprobenräume und diverse Büros, im vorderen Bereich stehen dutzende vollgepackte Kleiderständer.
Die Arbeitsatmosphäre ist sehr locker, man unterhällt sich miteinander während jeder seelenruhig seiner Arbeit nachgeht. Der eine bastelt einen Hut, die andere bespritzt, beschmirgelt oder zerfranst Stofftücher um sie alt aussehen zu lassen, es wird gebügelt, genäht oder drapiert. Nach dem Mittagessen, was geliefert wird und für alle kostenlos ist, frage ich Tina wann denn eigentlich Arbeitsende sei. Darauf fragt sie mich ob die 10 oder die 12 Stundenschicht mache. Mir fällt fast alles aus dem Gesicht. Sie erklärt mir dass das normal sei, es gibt nun mal Deadlines im Filmgeschäft und alles muss so schnell wie möglich fertig werden. Ich frage Donna, wann ich gehen kann und sie meint ich könne gehen wann ich will - super. Außerdem klären wir mit Rosi telefonisch ab wie denn nun die nächsten Tage verlaufen. David, der Kostüm Supervisor meinte nämlich beim kleinen Rundgang durch ein Filmset, dass Montag die Kalkutta Szene in Manhatten gedreht würde und ob ich nicht mithelfen möchte - wohhhoooooo! Rosi willigt ein dass ich noch bin Montag bleiben kann. Im Gespräch mit den anderen bekomme ich mit, wer hier eigentlich arbeitet. Donna hat ein Jahr in Berlin gelebt um am Kostümbild für den Vorleser zu arbeiten, David hat unter anderem Tank Girl - den Film gemacht und Michael, der Kostümdesigner hat sämtliche Outfits für Fight Club und den aktuellen Star Trek Film entworfen. Aaaaalter! Der man hat Brad Pitt oberkörperfrei gesehen. Da wird man mal ganz schnell ganz klein - klitzeklein! Gegen 5 frage ich ob ich gehen kann, klar - kein Ding, danke für die Hilfe, soll dich Patrick irgendwo hinfahren? Äh, was? Ja, Patrick, das Mädchen für alles holt ständig Leute von der U-Bahn ab oder fährt sie irgendwo hin. Er ist ungefähr so alt wie ich und hat Englisch studiert, will aber nun ins Filmgeschäft einsteigen - in die Produktion eigentlich. Warum er beim Kostüm ist? Naja, Kontakte knüpfen und hocharbeiten - so funktioniert das nun mal im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch als ich David, den Kostüm Supervisor frage, wie er zu seiner Stelle gekommen ist, heißt es Kontakte. Was er vorher war? Stylist. Wie er das geworden ist? Er hats einfach gemacht - irre! So komisch das auch klingt, aber es hat auch seine Vorteile, so einzusteigen. Denn in den USA zählt nun mal nicht die Ausbildung sondern das was man bisher gemacht hat, völlig egal was man gelernt hat. Solange man erfolgreich ist und gute Ergebnisse liefert ist man im Geschäft, bzw. engagiert. Mit dieser veränderten Sichtweise steige ich mit Patrick ins Auto. Dort läuft Metallica und ab und an singt er einige Stellen mit. Schon oft ist mir aufgefallen, dass Leute auf der Straße, in der U-Bahn oder an der Supermarktkasse einfach vor sich hinsingen - vorallem die jungen. Ich finds witzig und meine dass es sich in Deutschland kein Typ wagen würde, vor nem fremden Mädel zu singen. Er lacht und sagt, dass er das wahrscheinlich macht weil er nicht der Hellste wäre.
Zuhause angekommen scheibe ich noch den Blog für Wochenende und falle ins Bett. Mal sehn was morgen so passiert und ach ja, zum Baseballspiel gehen wir ja auch noch.
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