Es ist Samstag und der Wecker klingelt planmäßig 14.30 Uhr. Zu früh, wie sich wenig später herausstellen wird. Nach einer kurzen Telefonrunde verabrede ich mich mit...
Helen und Johanna um gemeinsam ins Guggenheim Museum zu gehen. Helen macht ihr Praktikum bei einer Firma, die es ihren Mitarbeitern ermöglicht einige Sehenswürdigkeiten kostenlos besuchen zu können. An der Schlange am Eingang, die draußen im Regen verharrt, spazieren wir gemütlich vorbei und auch um die Kassenschlange kommen wir herum, das alles nicht mal innerhalb einer Minute. 20$ gespart, los gehts.

Das Innere ist wie eine Spirale aufgebaut und auf jeder Etage gibt es einzelne Ausstellungen. Wir kriechen die Rotunde hinauf während uns die Augenlieder auf Kniehöhe hängen. Der letzte Abend steckt uns noch zu sehr in den Beinen.
Zu sehen gibt es allerlei Architektur und Gemälde weltberühmter Künstler.

Danach besuchen wir noch kurz den Apple Store, der brechend voll ist. Als gäbe es etwas zu verschenken, irgend wie ist uns der Trubel gerade zu viel. Wir machen uns auf den Heimweg, denn auf jeden Fall brauchen wir noch mal ne Mütze Schlaf für die nächste Partynacht.
Nachdem das erledigt ist, schau ich im Internet was los ist in Big Apple und mache auch was Nettes ausfindig. Allerdings fühlt sich kaum einer in der Lage noch mitzukommen. Hans erzählt mir dass ihn Yubi, der Typ aus Brooklyner Eisenwarenhandlung, auf eine Warehouseparty eingeladen hat. Mir fallen fast die Augen raus... was ich bis dato über Warehousepartys gehört habe ist nämlich ziemlich verheißungsvoll. Sofort lass ich mir die Nummer geben um die Adresse ausfindig zu machen. Dann geht alles ziemlich fix, Yubi lädt mich zum Vorglühen zu Freunden in Brooklyn ein - cool! Mit mir kommen noch Basti und Petrus mit dessen 2 Freunde aus Deutschland. 45 Minuten brauchen wir bis zur 14ten Straße um dort umzusteigen. Da verlässt meine Begleiter der Mut, sie wollen doch lieber in den nächstgelegenen Club. Ich bleibe bei Brooklyn und mache mich allein auf den Weg dorthin.
Es nieselt und halbdurchweicht komme ich an dem Zweifamilienhaus in mitten Williamsburgs, einem Stadtteil von Brooklyn, an. Durchs Fenster im Erdgeschoss sehe ich Menschen tanzen. Yubi macht mir die Tür auf und führt mich in die 3-Raum Wohnung. Dort ist die Party schon in vollem Gange. Mädels stehen im Wohnzimmer mit offener Küche und tanzen, die Jungs stehen um den Küchentisch voller Flaschen. Bier, Wodka, Cola, Eiswürfel, Chips, ... alles da, was das Herz begehrt. Ich soll mich bedienen und Yubi stellt mich einigen Leuten vor. Die begrüßen mich total nett und finden meinen Nintendo Corntoller Pad, der an einer Goldkette um meinen Hals hängt, super cool. Alle ungefähr in meinem Alter, viele von ihnen sind spansich. Da stehe ich nun, das erste Mal auf mich allein gestellt, keiner den ich um Übersetzungshilfe bitten kann. Außer Yubi vielleicht, der aber redet größtenteils Englisch mit mir. Irgendwoher hör ich Gesang. In einem Nebenzimmer sitzen 10 Leute im Halbdunkel auf dem Boden, einer spielt Gitarre, die anderen singen mit, rauchen oder trinken. Hammer, ich setz mich mit dazu und kanns mal wieder nicht glauben. Von Oasis über Aerosmith bis hin zu Green Day, alle gröhlen und tanzen mit. Auch spanische Lieder werden gespielt... ach ja, wann gehen wir eigentlich auf die Party? Ein Typ aus Russland meint nur grinsend, er versuche schon seit 2 Stunden die Leute zum Losziehen zu bewegen, aber angesichts der super Stimmung denkt hier keiner ans gehen.

Irgend wann gegen 3 Uhr ist es dann soweit und wir setzen uns zu 20st in Bewegung. Im Regen gehts 2 Häuser Blocks entfernt zu einer alten Lagerhalle. Der Bass dringt durch ein Rolltor und hört sich überaus sympathisch an. Auf einmal kostet der Spaß 20$ anstelle von nur 15$ und irgend wie sind auch nur wenig Leute dort. Es herrscht Unstimmingkeit über den Fortgang des Abends. Einige Leute müssen nochmal zum ATM, dem Geldautomat. Die gibts in NYC an jeder Straßenecke und auch in den Eckläden. Sogar in der Webster Hall, dem Club vom Freitag gab es einen. Da alle schon angetrunken sind verlieren wir uns im Regen. Mit einigen Leuten lande ich in einer Eckkneipe. Dort gibt mir Shin, ein Japaner, ein Bier aus. Das wird dort in Styroporbechern verschiedenster Größe ausgeschenkt. Der größte fasst bestimmt einen Liter. Auf der Suche nach den Anderen treffen wir einige auf der anderen Straßenseite wieder. Plötzlich wird nur noch Spanisch gesprochen, Shin und ich bilden die Randgruppe. Auf unserem einstündigem Irrweg durch Williamsburg kommen wir ins Gespräch über alles mögliche und stellen fest, dass wir prinzipiell verschiedener Meinung sind. Aber das ist ganz cool, denn die Diskussionen mit ihm zwingen einen zum Reden. Überall verstreut finden wir kleinen Grüppchen wieder und landen wieder bei der Warehouseparty. Die wollen immer noch 20$ obwohl es nur noch 3 Stunden geht. Also gehts wiederum in die WG, dort wird weiter getanzt und getrunken. So langsam wirds hell draußen und ich mach mich nochmals auf den Weg zur Warehouseparty um die Lage zu checken, vielleicht sind ja mittlerweile mehr Leute da. Zurück in der WG machen sich die ersten auf den Weg nach Hause. Ich entscheide mich letztendlich auch mitzugehen. Da Shin in der Mitte von Manhattan wohnt, der sogenannten Hell's Kitchen, geh ich mit ihm, dann muss ich nicht alleine fahren. Es regnet in Strömen auf dem Weg zu seinem Appartment. Dort esse ich String Cheese und Toast zum Frühstück und lass mir von ihm Baseball vor dem riesen Flatscreen Fernseher erklären. String Cheese ist eine Käsestange, die man nicht etwa einfach abbeißt, nein! Der Genuss besteht darin oben eine Ecke abzupuhlen um dann dünne Streifen abzuziehen. Er ist geschockt, dass ich das nicht kenne. Lange bleibe ich nicht, er will pennen und mich verlassen auch langsam die Kräfte. Für die 30qm bezahlen seine Eltern 1700$ im Monat, das sind über 1200€.
Mutterseelen allein laufe ich durch die verregneten Straßen auf dem Weg zur U-Bahn. Es ist bestimmt schon 6 Uhr. Der warme Dunst des Regens steigt aus den Gullis, Tropfen laufen mir durch die Haarsträhnen übers Gesicht. Es ist ungewohnt ruhig und man riecht den ersten Kaffee der Delis (kleine Geschäfte für Zeitungen, Tabak und Fast Food). Nebel hängt über der Stadt, sodass man kaum die Spitzen der Wolkenkratzer sieht.

Meine halbdurchweichte Zigarette begleitet mich durch das morgenliche Vogelgezwitscher und Vorbeirauschen der einsamen Taxis. Es ist einer dieser erhebenden Momente, in denen einem wieder klar wird wo man eigentlich ist.
Puuuuhhh!!!
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